Barbara Ryffel / Um des schönen Scheins willen

by Manuela Hofstätter on 7. Januar 2014

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Alice Bergers Leben ist ein glückliches Leben und sie macht sich oft Gedanken darüber und ist dankbar, dass sie so aufwachsen durfte. Alices Eltern, ein angesehenes Paar an bester Wohnlage in Zürich und mit Ferienhaus in Davos, haben alles richtig gemacht. Cocktailempfänge, teure Autos, Kaderberufe, beste Kontakte in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zeichnen die Familie aus, auch Alices Brüder stehen so da. Alice Kindheitserinnerungen sind auch eng mit einem Bild verbunden. Der “Kirchner”, der ob des Kamins in Davos hängt, den hat sie schon als Mädchen immer bewundert und im sicheren Schoss des Vaters seinen Interpretationen zum grossen expressionistischen Künstler gelauscht. “Der wird einmal dir gehören”, Vaters Worte kommen Alice zur Zeit fast täglich in den Sinn, denn das Bild wurde gestohlen. Es ist nicht der Wert in Millionenhöhe, welcher Alice das Bild vermissen lässt, nein, es ist die Erinnerung an das pure Glück, welches dieses Bild für sie verkörpert. Alice gerät für einmal in eine leicht melancholische Stimmung und beschliesst, der Trägheit in ihrer Beziehung und den Gefühlen des Verlustes mit einem Stellenwechsel entgegen zu treten. Als Pressechefin bei der Polizei erhofft sich Alice neue Herausforderungen, dabei in Abgründe der Menschen blicken zu können fasziniert sie zusätzlich, die Familie, wie auch ihr Freund haben irritiert auf ihren Stellenwechsel reagiert, aber Alice hat eben ihren eigenen Kopf. Aber die Abgründe holen Alice ganz anders ein. Alles beginnt damit, dass sie an einem arbeitsfreien Tag darüber informiert wird, dass ein Notruf aus ihrem Elternhaus eingegangen ist. Alice eilt zu ihren Eltern und findet einen verletzten Gärtner, offenbar hat ihre Mutter ihn unglücklicherweise mit der Gartenschere verletzt. Vater Berger aber hat die Situation voll und ganz im Griff, einzig ein komisches Gefühl bleibt bei Alice zurück. Schlag auf Schlag muss nun Alice die wahre Geschichte des Kirchner-Bildes erfahren und noch eine weitaus bitterere Erfahrung machen, nichts ist so, wie sie das immer geglaubt hat.

Barbara Ryffel / Um des schönen Scheins willen

Fazit: Ein böses, grandioses Buch über eine allzu feine Familie!
Barbara Ryffels Roman ist ein Blick in menschliche Abgründe der Extraklasse, ein herrliches Lesevergnügen. Von der ersten bis zur letzten Seite vermag uns dieser Roman zu überraschen und zu unterhalten, ein leises Unbehagen, das wir bald mit der Protagonistin Alice teilen, erweist sich als erschreckend richtig, aber welche Tragweite eine Tragödie doch haben kann, das wird und glänzend vor Augen geführt.

Meine Wertung: 7/10

Barbara Ryffel / Um des schönen Scheins willen
Verlag: Xanthippe, Seiten: 152

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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