Barbara Traber & Hüsniye Kahraman Korkmaz / Die rote Hüsniye

by Manuela Hofstätter on 16. März 2016

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Seit fast dreissig Jahren lebt Hüsniye nun in der Schweiz, beeindruckt hat sie, wie hier die Menschen aus dem Kirchenkreis ihr geholfen haben und wie Nachbarn positiv auf sie, die Ausländerin, reagiert haben. Hüsniye stammt aus Anatolien in der Türkei, 1957 wurde sie geboren, damals gehörte ihre Familie aber einer Minderheit an, sie sind alevitische Kurden, das heisst, sie leben mit dem Koran, lehnen aber die Scharia ab. Sexualität gilt als Tabuthema in dieser Kultur, Zigeunern habe man die Kinder abgekauft, oder der Storch habe sie gebracht, dies ist das Bild ihrer Herkunft. Aber der Vater kämpft dafür, dass Hüsniye Schulunterricht geniessen kann, er denkt sehr liberal und aufgeklärt, dennoch hat er eine Zweitfrau genommen und Hüsniyes Mutter weggejagt, doch später fand die Familie wieder zusammen. Die Mutter ist eine einfache, aber starke Frau, sie findet Arbeit und bringt die Kinder über einen gewissen Zeitraum quasi alleine durch, sie ist in schweren Zeiten später immer bedingungslos für ihre Tochter da. Hüsniye leidet an einer schlimmen Sehbehinderung, aber sie meistert doch alles mit Geschick. Hüsniye hat sich früh schon für Politik interessiert und sich mutig immer dem Widerstand angeschlossen. So liebte und heiratete sie auch einen Rebellen. Ihr Mann wie auch Hüsniye erleben in Folge davon lange Haftzeiten mit schrecklicher Folter. Immer wieder musste Hüsniye in ihrer Heimat schlimme Episoden von Völkermord erleben und nach ihrer Haft, ist die Angst und die Beschattung immer Teil ihrs Lebens. Sie wird Mutter und erfährt von ihrer traditionell denkenden Mutter nur Ablehnung und keinerlei Hilfe. Hüsniye schlittert in eine schwere Depression, Ärzte haben ihr mehrfach Psychopharmaka verschrieben, doch sie merkt, bei ihr helfen diese Medikamente nicht, sie muss sich selber helfen zu ihrem Mut, ihrer Überzeugung und positiven Art zurückfinden. Plötzlich verschwindet ihr geliebter Mann, in seiner grossen Angst hat er heimlich seine Flucht geplant und ist als Flüchtling in der Schweiz aufgenommen worden. Hüsniye ist zuerst böse auf ihn, kann ihm dann aber vergeben und auch ihr gelingt dann die illegale Flucht in die Schweiz, da ihr Mann einen Schlepper organisieren kann. Hüsniye wird als Flüchtling in der Schweiz anerkannt und ein neues Leben beginnt. Diese starke Frau hat sich immer mutig für Gerechtigkeit eingesetzt und tut dies immer noch, sie appelliert an die Menschlichkeit und die Gerechtigkeit und blickt heute mit einem wohlverdienten Stolz zurück auf ihren Werdegang. Hüsniye galt als linke Terroristin in ihrem Land und man kannte sie weit herum!

Barbara Traber & Hüsniye Kahraman Korkmaz / Die rote Hüsniye

Fazit: Ein Appell an die Menschlichkeit!
Barbara Traber hat bei vielen Besuchen dieser starken Frau mit dem Aufnahmegerät zugehört und dann deren Leben niedergeschrieben und dabei Hüsniye ins Herz geschlossen. Wir bewundern das Leben dieser Frau gleichermassen wie ihren Willen und Mut, keine falschen Kompromisse einzugehen und die Wahrheit auszusprechen, wenn es denn sein muss. Ein feines Buch über eine faszinierende, starke Frau!

Meine Wertung: 7/10

Barbara Traber & Hüsniye Kahraman Korkmaz / Die rote Hüsniye
Mein Leben für Gerechtigkeit
Verlag: Weber, Seiten: 263

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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