Barney Norris / Hier treffen sich fünf Flüsse

by Manuela Hofstätter on 1. Mai 2017

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Nadder, Ebble, Wylye, Bourne und Avon sind fünf Flüsse und sie verbinden sich, so verschieden sie auch sind und so mächtig sie gemeinsam klingen. In Salisbury südwestlich von London kreuzen sie sich und in der Kleinstadt geht das Leben seinen Gang. Da sitzt einer im Mc Donalds, blickt hinaus in seine Stadt und wird Zeuge eines Verkehrsunfalls. Der Lenker, ein älterer, soeben verwitweter Farmer, kann nicht schnell genug ausweichen, als ihm eine Frau auf ihrem Motorrad vor die Räder fährt. Die Floristin hatte einen aussergewöhnlichen Tag, in ihrem ohnehin recht aussergewöhnlichen Leben, sie dachte, sie habe an diesem Tag alles verloren und wandere ins Gefängnis, doch ihre Anwältin konnte sie raushauen. Alles hat sie zerstört, die Floristin, ihr ganzes Leben, nur das alte Motorrad nicht und mit diesem ist sie nun so krass verunfallt, dass sie im Spital im Koma liegt. Auch ein Schuljunge ist verstört, er liebte seinen Vater und rechnete nicht mit dem Tod, dieser nahm ihm aber den Vater durch Krebs, während er in seiner Angst nur seine erste Liebe auslebte und seine Mutter im Spital an Vaters Bett im Stich liess. Und nun ist ihm schon wieder ein Unglück begegnet, wird die Motorradfahrerin wohl auch sterben, mitten aus dem Leben gerissen? Sie vermisst ihren Mann, es ist nie einfach gewesen, einen Offizier als Mann zu haben, noch zwei Jahre ist er in der Army. Er sieht täglich Schreckliches in Afghanistan, ihren Sohn haben sie auf ein Internat geschickt, endlich sind Ferien und sie freut sich auf ihren Sohn. Doch sie trifft einen fremden Teenager an, fragt sich, wie er sich nur so hat verändern können und ihr derart fremd sein kann. Sie leidet an der Sinnlosigkeit ihres Daseins, schluckt Tabletten, doch als sie einen schlimmen Unfall sieht in ihrer Stadt, da erschrickt sie, sie will leben, sie will ganz bewusst leben. Alle sind sie Suchende, in ihrer Kleinstadt Salisbury, gebeutelt vom Schicksal, aber gibt es den Zufall doch nicht, will dem Menschen nur manchmal die Chance aufgezeigt werden, dass man täglich neu anfangen kann, eine neue Richtung einschlagen kann?

Fazit: England, seine Menschen in der Kleinstadt und ihr Überleben!
Dieser Debütroman des Autors Barney Norris zeugt von einer grossen Liebe und Kenntnis des Lebens in seiner Stadt Salisbury, wo er aufgewachsen ist. Doch dieser Autor, welcher in diesem Jahr seinen dreissigsten Geburtstag feiern wird, versteht es, über die Vergänglichkeit des Lebens zu schreiben, über unsere Ängste und Befindlichkeiten, er versetzt sich dabei glaubwürdig in den Teenager, in die Frau des Offiziers wie in den alten Farmer, einfach in all seine Protagonisten. Dieser Roman ist ein mächtiges Tosen, denn da fliesst etliches ineinander, sehr gekonnt! Das ist ein grandioser Erzähler, der uns da in den Fluss des Lesens und Lebens reisst und ich habe ihm sehr gerne zugehört. Lesen kann ein so grossartiges Erlebnis sein!

Meine Wertung: 8/10

Barney Norris / Hier treffen sich fünf Flüsse
Verlag: Dumont, Seiten: 317

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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