Beat Vogt / Der Aussetzer oder die Resonanz einer Schuld

by Manuela Hofstätter on 26. Juli 2018

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Chris und Maya geniessen einen Konzertabend ohne ihre kleine Tochter, schwelgen in Erinnerungen, und als der Abend herrlich ausklingen soll, endet er im Drama, welches ihr ganzes Leben grundlegend verändert und auch dasjenige ihrer Tochter verändern wird. Chris hat zugeschlagen, er hat einen Menschen zum Behinderten gemacht, ausgerechnet er, der absolut ein friedfertiger Mensch ist. Da war diese Stange plötzlich in seiner Hand und dann der Aussetzer. Der Gerichtsprozess wird heftig für das Paar, sie halten die Sache geheim, auch vor ihrer Tochter. Ein Abend mit Freunden lässt diese mit ungläubig aufgerissenen Augen lauschen, als Chris verkündet, er habe eine Blockade, werde eine grosse Reise machen und Inspiration suchen im Himalaja Gebiet. So schreibt Chris seiner Tochter lange Briefe und Reiseberichte, während er seine Haftstrafe absitzt. Maya darf Chris einmal in der Woche besuchen und im dafür vorgesehenen Zimmer erleben sie eine andere Art von Sexualität als jene, die sie zuvor verband, sie ersetzt ihre Sprachlosigkeit. Chris leidet, Maya weiss ganz genau, dass er an seiner Schuld nagt, mit seiner Lüge ringt, es versetzt sie in Angst und Bange und auch selber merkt sie, wie die Veränderung auch an ihr nagt. Chris hat klar darauf bestanden, Maya solle Leben, als gäbe es Ihn, Chris, nicht während der Zeit seiner Haft, schliesslich hat er sogar die Besuche im Zimmer abgelehnt. Chris ist ein Gefangener, der keine Gemütsregung preisgibt, gar der Psychologe muss klein beigeben, was den Gefängnisleiter fasziniert und zu ungewöhnlichen Mitteln greifen lässt. Er macht sich an Maya ran, diese bringt er zum Lachen, was ihr schon lange nicht mehr passiert ist, doch als sich die beiden immer näherkommen, gibt er alles Preis und zerstört somit sämtliches zwischen ihnen abrupt.
Eva ist eine sehr begabte Studentin und als solche macht sie es sich nicht leicht, sich in einen Professor zu verlieben, doch auch Philippe merkt, diese Sache ist es wert, diese Ideen, welche diese junge Frau hat, die begeistern ihn restlos. Eva beobachtet die Justiz aus einem besonderen Blickwinkel, sie wertet akribisch aus, ob Urteile mit der Nationalität der Verurteilten im Zusammenhang häufiger anders ausfallen und somit der Rassismusfrage nicht standhalten könnten. Doch plötzlich stolpert Eva bei den Fällen über ein Datum und geht einer ganz persönlichen Frage nach, welche eine furchtbare Ahnung, die sich später bestätig, auslöst und sie alle Wege neu einschlagen lässt. Eva weiss nun ganz genau, was sie tun will und muss.

Fazit: Familie, Liebe, Lüge, Schuld und Leben.
Dieser Roman hat mich anfänglich etwas irritiert, bis sich mir die Personen immer vertrauter öffneten, dann las ich atemlos und tief betroffen und beeindruckt dieses Buch des Autors Beat Vogt, welches ich wohl nie wieder vergessen werde. Ja, diese Aussetzer gehört zu denjenigen raren Romanen, die ich fast nicht beschreiben kann, da ich so hingerissen bin. Alle Fragen, die ein Menschenleben, eine Ehe, eine Familie erschüttern können, werden hier tangiert, die Frage der Schuld, wie auch das Zerbrechen an derselben steht im Mittelpunkt der Geschichte. Aber hier sind alle Protagonisten betroffen, sie alle gehen nachhaltig verändert durch ihr Leben, wegen eines einzigen kurzen Aussetzers. Dieser Roman ist elegant, schonungslos exakt einerseits, verspielt andererseits, ein nachhaltiger Lesetipp. (Zudem ein Buch, welches ich ausnahmsweise sogar in den Ferien in der Toskana bespreche und begeistert in die Tasten haue!)

Meine Wertung: 9/10

Beat Vogt / Der Aussetzer oder die Resonanz einer Schuld
Verlag: Bücherlese, Seiten: 253

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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