Bernhard Schlink / Die Frau auf der Treppe

by Manuela Hofstätter on 28. August 2014

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Er selbst ist in die Jahre gekommen, seine Frau starb leider zu früh, zu tragisch, die Kinder sind geraten, ein erfolgreiches Leben hat er doch geführt so weit. Doch jetzt steht er in einem Museum und die Vergangenheit holt ihn ein. Gebannt starrt er auf das Bild, “Die Frau auf der Treppe”. Jahrzehnte schon war es verschollen und ihn hat es als junger Rechtsanwalt, der er damals war, fast Kopf, Kragen und sein Herz gekostet. Der Maler dieses Bildes war einer seiner ersten Klienten. Der Maler und der Besitzer des Bildes waren arg und auch etwas dubios aneinandergeraten. Er gab sich alle Mühe in diesem verworrenen Fall, doch als er den Durchblick hatte, war es leider schon zu spät. Er hatte sich zum ersten Mal in seinem jungen Leben richtig verliebt, in die Frau auf diesem Bild. Er kam zum Glück heil aus dem Fall heraus, hätte dies doch ganz anders laufen können und sein schönes Leben, welches er danach führte, wäre nie zustande gekommen, aber Irene, die Frau auf dem Bild, die hatte ihm das Herz gebrochen damals, ein Schmerz ist bis heute irgendwie geblieben. Er beschliesst Irene zu suchen. Tatsächlich gibt es ein Wiedersehen, aber bekommt er zufriedenstellende Antworten auf seine Fragen, hat Irene ein schlechtes Gewissen, oder wurde er damals einfach nur von einer schönen, cleveren Frau benutzt? Wer ist Irene geworden, warum lebt sie in der Abgeschiedenheit, welche Geschichte offenbart sich nach so vielen Jahren?

Bernhard Schlink / Die Frau auf der Treppe

Fazit: Das Bild des Lebens oder können Bilder lügen?
Bernhard Schlink lesen, das heisst auch, hohe Erwartungen zu haben. Nun denn, ich habe gelesen, gestaunt, bin beglückt und verblüfft, es ist ihm erneut gelungen, er ist eben ein Meister! Kein weltgeschichtliches Thema, nein, die schlichte und darum weitaus schwierigere Frage nach dem Lebenssinn, Verlust, Besitz und Liebe wie Lügen, das begegnet uns in “Die Frau auf der Treppe”. Aber bei Schlink kommt eine elegante Sprache, eine Raffinesse aus der Geschichte heraus, dass man sogar das etwas zu harmonische Ende erneut betrachtet, beobachtet, durchdenkt und eben bewundert.

Meine Wertung: 8/10

Bernhard Schlink / Die Frau auf der Treppe
Verlag: Diogenes, Seiten: 244

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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{ 2 comments… read them below or add one }

1 Popshot September 2, 2014 um 23:59 Uhr

Schöne geschriebene Kritik zu einem schönen Buch hier bei dir. Und vielleicht bei mir. :-)

Siehe: http://popshot.over-blog.de/article-bernhard-schlink-die-frau-auf-der-treppe-124490918.html

2 Käthi Krüger Oktober 5, 2014 um 12:22 Uhr

Zu Bernhard Schlink, heisser Tipp für alle Krimileser: von Schlink gibts drei Krimis mit einem abgehalfterten DDR Richter oder gar Staatsanwalt, der in Mannheim lebt, mehr schlecht als recht als Privatermittler.
Selbs Mord
Selbs Justiz
Selbs Urteil
Alle drei sind klug, unbrutal, spannend, auch etwas politisch, sehr lesenswert!

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