Bernhard Schlink / Sommerlügen

by Manuela Hofstätter on 26. Juli 2010

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Eigentlich hat er die Liebe seines Lebens getroffen, er will bloss noch sein altes Zuhause räumen und dann in eine neue glückliche Zukunft starten… will er doch, nicht wahr? … Wohl wahr, er weiss genau, dass dies sein letzter Sommer sein wird, er hat das Fläschchen gut versteckt, er wird den Zeitpunkt bestimmen und dieser wird perfekt sein. Fröhlich spielen seine Enkel in der Sonne, seine Kinder haben schöne Familien gegründet. Immer noch liebt er seine Frau, alt sind sie geworden, aber er findet sie immer noch wunderschön! … Wahrlich ergriffen war er von der Lebensgeschichte seines Sitznachbarn, selbstverständlich schenkte er ihm seinen Glauben und noch weit viel mehr darüber hinaus. … Er war nicht so erfolgreich wie seine Frau, er gönnte ihr den Erfolg, ganz gewiss. Doch er wollte ihre Liebe bewahren, die gemeinsame Tochter schützen, sie abschirmen vor der hektischen Aussenwelt. Wenn sie sich erst einmal beruhigt haben würde, dann würde sie erkennen, dass er in Wahrheit das richtige getan hatte und sie würde zu ihm zurückkehren.

Fazit
Bernhard Schlink lese ich selbst dann, wenn er Kurzgeschichten schreibt. In «Sommerlügen» begegnen wir prägnanten Personen und Geschichten zu allen Lebensabschnitten. Eine Gemeinsamkeit haben die Protagonisten, sie machen sich etwas vor, lassen etwas anders erscheinen als es ist, leben in irgend einer Form mit der Lüge. Manchmal ist so eine Lüge eine schwere Last, aber manchmal ist eine Lebenslüge doch eine schöne Versöhnung mit der Welt in welcher man lebt.

Meine Wertung: 7/10

Bernhard Schlink / Sommerlügen
Verlag: Diogenes, Seiten: 279

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Namesi August 7, 2010 um 23:44

Oft streiche ich interessante Textstellen an. Diese hier ist aus “Die Heimkehr” von Bernhard Schlink:

“Wie verhalten sich Studenten, künftige Politiker, Richter, Geschäftsleute und andere Verantwortungsträger unter extremen Bedingungen? Wie solidarisch, wie egoistisch? Wie prinzipienfest, wie kollaborationsbereit? Was braucht es, dass sie einander verraten, dass sie sich gegeneinander wenden? Bei wieviel Kälte, Hunger, Druck, Angst ist der Lack der Zivilisation ab?”

2 Fiona September 17, 2010 um 13:32

Nun bin ich in einem Zwiespalt. Ich lese Kurzgeschichten normalerweise nur ungern, aber deine Buchbesprechung hat mich nun ins Wanken gebracht, ob ich den “Schlinkschen” nicht eine Chance geben sollte…?!

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