Bettina Gugger / Ministerium der Liebe

by Manuela Hofstätter on 21. Juli 2018

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Nathalie konnte nichts dafür, dass sie Mikesch bereits auf den Wecker ging, genau so wenig konnte sie dafür, plötzlich schwanger zu werden und im Gegensatz zu Mikesch, der sich fast lustvoll in sein neues Leben als Vater stürzte, strauchelte sie und konnte das Trauma der Geburt nicht verarbeiten, die Rolle der Mutter nicht leben. Nathalie floh.
Carmen und Daniel sind geschieden, leben beisammen und kümmern sich um ihr Kind, das auch schon keines mehr ist. Daniel kann sich noch nicht ganz in sein neues, freies Leben schicken, er ist etwas gehemmt, liegt es daran, dass er seine Frau doch noch liebt? Sie jedenfalls lebt, frei und lustvoll, mit jungem Geliebten, oder ist diese Beziehung etwa auch nicht ganz so einfach? Carmen hat eine Praxis, sie staunt immer wieder darüber, wie die Menschen leiden und das Talent zum unglücklich sein perfektionieren. Sie scheiterte im Medizinstudium, sattelte um auf Psychologie. Heute bestreitet kein Mediziner mehr, dass eine kranke Seele auch schnell einen kranken Körper nach sich zieht. Lara arbeitet im Museum, immerhin ist sie so der Kunst nahe, eigentlich ist sie Künstlerin, doch der Mut für dieses Leben und Überleben als solche fehlt ihr. Doch momentan steht sie unter Strom, schuld ist Daniel, der viel ältere Arbeitskollege und Techniker im Museum, er übt eine unbeschreibliche Wirkung auf sie aus, ob es ihm umgekehrt auch so geht?
Eigentlich will er die Briefe wirklich nur zustellen, doch immer wieder erliegt er seiner Sucht, öffnet ein Couvert und liest Worte, welche mitnichten an ihn gerichtet sind, in krassen Fällen stellt er einen Brief verspätet zu oder antwortet gar dem Absender, er könne dessen Brief so nicht zustellen. Darf man Schicksal spielen? Die Menschen irren und wirren durch ihr Leben und wissen nicht, was sie tun …

Fazit: Denn sie wissen nicht, was sie tun … aber es ist nie zu spät!
Die Protagonisten in Bettina Guggers Short Cuts wandeln zuweilen lustvoll, zuweilen zögerlich durch ihr Leben, während die einen denken, ihr Tun sei richtig, leiden die anderen ob dem ihren und staunen später, was aus ihrer vermeintlichen Fehlhandlung gediehen ist. Wir lesen in Momentaufnahmen verschiedenster Menschen rein, welche kurz aufleuchten wie Sternschnuppen, mache länger, hell und klar, andere kurz und heftig. Wir Menschen wissen nicht, was wir tun und erst recht nicht, was aus diesem Tun werden kann.

Meine Wertung: 7/10

Bettina Gugger / Ministerium der Liebe
Verlag: boox-verlag, Seiten: 167

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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