Birgit Vanderbeke / Die Frau mit dem Hund

by Manuela Hofstätter on 29. April 2013

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Keine Kinder, keine Katzen, keine Hunde, Essensboxen garantiert keimfrei. Das und noch viel mehr macht das sichere Leben im siebten Distrikt aus. Ein Leben kontrolliert von der Stiftung. Jule hat sich darin längst eingewöhnt und hat einen sauberen Job in der Wäscherei, sie sammelt schöne Sachen und das reicht ihr dann auch. Aber dann stolpert Jule über ein Bündel im Treppenhaus und das Bündel riecht, es riecht nach Ansteckungsgefahr. Jule kann kaum glauben, dass eine dünne Frau mit einem Hund sich vor ihren Augen befindet, wie nur haben diese zwei Wesen es aus der Wildnis weit draussen bis in den siebten Distrikt geschafft? Aber Jule handelt ganz komisch, lässt das gefährliche Paar eine Nacht in ihrer Wohnung schlafen, am nächsten Tag aber wirft sie Hund und Frau vor die Tür, putzt und desinfiziert später wie verrückt. Aber in Jules Herz fängt an etwas zu keimen, sie kann den Hund immer noch riechen und sie ist sich sicher, dass ihr Nachbar, der Abramowski, die beiden Wilden bei sich untergebracht hat. Abramowski ist in der Tat der beste Freund, auf welchen die junge und zudem schwangere Pola mit ihrem Hund Zsazsa treffen kann in der abstrakten, aber sicheren Welt des Distrikts. Schwangere und Hund beginnen sich auf dem Estrich ein Heim aufzubauen, Abramowski hilft, wo er nur kann, endlich lebt er wieder, und als er die ersten Bratkartoffeln isst bei Pola, da bekommt er wieder eine Ahnung vom Glück. Auch Jule riecht die Kartoffeln und nimmt allen Mut zusammen und wagt einen kühnen Schritt in ein gefährlicheres Leben. Wie soll es weitergehen mit Pola, wenn das Kind zur Welt kommt, das Leben im Verborgenen wird nicht mehr lange möglich sein.

Fazit: Keine Kinder, keine Katzen, keine Hunde.
Vanderbeke ist eine Autorin, welche mich immer wieder erstaunt und berührt. “Die Frau mit dem Hund” beschreibt eine Zukunft, welche im Heute schon Anfänge zeigt. Absolut vehement setzt sich zum Glück das Leben, die Liebe und die Freiheit durch. Bratkartoffeln, ein Wort, welches bei mir sofort einen Geruch herbeizaubert, in der Erde etwas pflanzen und ernten, Ursprung und Leben fühlen, echt sein. Nachdenken darüber, wie echt wir heute noch sein können und dürfen.

Meine Wertung: 8/10

Birgit Vanderbeke / Die Frau mit dem Hund
Verlag: Piper, Seiten: 145

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