Bruno Ziauddin / Bad News

by Manuela Hofstätter on 19. Juni 2016

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Er freut sich, ein neuer Job, mehr Geld, als Journalist zur grössten Zeitung des Landes wechseln zu dürfen und erst noch auf der Führungsebene, keine üble Sache. Er denkt gerne, er ist offen, schreibt jemand gut, ist er zufrieden. Er will neue Welten, zu fest steckt hinter den Texten eine hetzerische, rechtslastige Tonlage, welche offenbar einem neuen Trend entspricht bei der Wochenzeitung. Aber auch die Linken kann man nicht ernst nehmen in ihrer Hysterie. Seine Freundin, eine Augenweide mit jugoslawischen Wurzeln ist stolz auf ihn und er lässt sich gerne mit ihr blicken. Aber bald merkt er, dass der Chefredaktor zwei Gesichter hat und ihn nur dann über die Dinge informiert, wenn er Lust dazu hat oder es taktisch gut passt. Von den Entlassungen hat er zu spät vernommen, darf aber den Kopf hinhalten, zwei Journalisten kann er retten, es sind diejenigen, welche er lesen mag. Aber es macht sich Frustration in seinem Herzen breit und sein bester Freund liefert wie immer nüchtern seine Kommentare ab. Als ihn die Freundin dann sitzen lässt, weil er für diese rassistische Zeitung arbeitet, ist für ihn der Fall klar und er wird handeln.
Damir ist jung, ein helles Köpfchen hat er, wenn er es nicht zugekifft hat. Er achtet seine Mutter und ist schockiert, als er vernimmt, was sie in der alten Heimat für ein Leid durchgemacht hat. Doch auch seine neue Heimat, die Schweiz, bringt in oft in Rage. Zum Glück hat er einen neuen Job, einen neuen Freund und widmet sich nun vermehrt dem Koran statt den Joints. Die Mutter bringt ihn zum ersten Mal überhaupt richtig in Rage, sie mag seine neuen Freunde nicht, sie beharrt darauf, sie hätten ihre eigene Moschee. Damir aber weiss, es ist einfach an der Zeit, zu handeln.

Bruno Ziauddin / Bad News

Fazit: Unsere Zeit, unsere Medienlandschaft, ohne Mitte!
Ich habe Ziauddins Roman gelesen ohne mich dafür zu interessieren, wo er gearbeitet hat und welchen Einfluss dies auf seinen Roman hat. Ich habe eine äusserst eigenwillige Geschichte gelesen, eine harte, zuweilen ironische aber vor allen Dingen eben eine äusserst zeitnahe Geschichte. Ziauddin hat mich überrascht, sein Buch ist mutig, es zeigt einen Protagonisten, der sich nicht auf eine Seite stellen will und kann, einen, der eigenständig denkt. Das Drama im Roman zeigt, wie rasch es zu Eskalationen kommen kann heute, und ich glaube fest daran, dass dies der Fall ist, weil wir keine breite, gemässigte Mitte mehr haben! Ein starkes, wenn auch kein einfaches Buch!

Meine Wertung: 7/10

Bruno Ziauddin / Bad News
Verlag: Nagel & Kimche, Seiten: 208

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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