Christine Brand / Blind

by Manuela Hofstätter on 27. Mai 2019

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Nathaniel Brenner und Alisha sind ein gutes Team, wenn auch Nathaniel weiss, das Alisha nicht gerade ein herausragendes Beispiel eines Blindenhundes darstellt, er würde sie aber keinesfalls mehr hergeben und sie kommen immer irgendwie zurecht miteinander. Nathaniel ist stolz auf seinen neuen Job im Restaurant Blinde Kuh, er will sorge tragen, denn noch ist er der Neue und derjenige, der ab und zu stolpert und mitsamt Tablett ab Boden liegt. Wenn Nathaniel Hilfe braucht, hat er noch seine Freundin im Haus, Veronika, die alte Dame ist immer für ihn da und wenn er manchmal kurz Hilfe benötigt, nutzt er die App “Be My Eyes”, welche ihn schnell mit jemandem am Telefon verbindet, der für ihn sehen kann, zum Beispiel, wann das Ablaufdatum eines Lebensmittels ist. Mit wem man verbunden wird, weiss man nie, doch Nathaniel freut sich, als er die App nutzt, eine vertraute Stimme zu hören. Carole hat ihm schon einmal geholfen, doch ihr Gespräch wird nach einem schrillen Kreischen von Carole unterbrochen. Nathaniel ist sich sicher, Carole ist etwas Schlimmes passiert, er kann an nichts anderes mehr denken und so ruft er schliesslich die Journalistin Milla Nova an, um sie um Hilfe zu bitten. Milla ist zur Zeit mit einer skandalösen und tragischen Story beschäftigt, dank ihren Beziehungen war sie die Erste, die mit ihrem Kameramann den Musiklehrer Claudio Rudelli hat interviewen können, gegen den der Verdacht besteht, mehrere seiner Schüler vorsätzlich mit Aids angesteckt zu haben, indem er ihnen Blut gespritzt, dies aber als Akupunkturbehandlung getarnt hat. Doch Milla erinnert sich gut an den Bericht, den sie über den blinden Nathaniel geschrieben hat, manchmal gehen ihr Geschichten nahe und es entstehen Freundschaften, doch was Nathaniel ihr nun völlig aufgeregt und wirr berichtet, klingt schon etwas schräg. Da Millas Freund Sandro Hauptkommissar ist, bittet sie ihn um Hilfe wegen Nathaniel und obwohl sie wegen des Aids-Falles Streit hatten, hilft Sandro seiner Freundin und beruhigt sie. Die Stimme, die Nathaniel gehört hat, war die von Carole Stein und diese erzählte Sandro auf seine Nachfrage, sie erinnere sich an den Anruf des Blinden und sie sei mit Einkäufen auf der Treppe gestolpert. Diese Information gibt nun Milla an Nathaniel weiter, doch dieser glaubt nach wie vor an seine These, er recherchiert weiter und beweist Milla dann, dass die Stimme der Carole, die ihm damals geholfen hat, eine andere ist als diejenige, die sich nun unter dem Anschluss von Carole Stein meldet. Milla sollte dringend die Hände vom eigenwilligen Ermitteln lassen, aber Nathaniel hat sie überzeugt und Sandro kann sie mit dem Thema nicht schon wieder kommen. Können Milla und Nathaniel diese Sache aufklären, wenn es eine falsche Carole Stein gibt, wo ist dann die Richtige und lebt sie noch?

Fazit: Keine blinde Ermittlung!
Christine Brand hat einen spannenden Kriminalfall geschrieben, der blinde Nathaniel wird gemeinsam mit der Journalistin Milla zum ungewöhnlichen Ermittlerduo, er verlässt sich auf seine anderen Sinne wie eben sein Gehör und seine Intuition, sie setzt sich über ihre Beziehung hinweg. Zuviel verraten will ich nicht zu diesem Krimi, nur so viel: Nathaniels Vergangenheit hat es in sich, macht ihn in den Augen der Polizei gar zum Verdächtigen und die Geschichte noch turbulenter. Der Fall mit den Aids-Ansteckungen, welchen das Inselspital Bern aufzudecken geholfen hat, der ist der Realität entnommen, das finde ich ein wenig heikel und fand es störend, Christine Brand kann auch ohne diesen Handlungsstrang fesselnd schreiben. Die App für Blinde gibt es auch wirklich, eine geniale Sache. Als Leserin weiss man mehr über die echte Carole Stein und kann den Wettlauf gegen die Zeit nicht gut ertragen, man muss das Buch schnell zu Ende lesen, sonst ist an Schlaf nicht zu denken!

Meine Wertung: 8/10

Christine Brand / Blind
Verlag: Blanvalet, Seiten: 448

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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