Christoph Höhtker / Alles Sehen

by Manuela Hofstätter on 7. November 2016

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Eine Stadt, genannt B., diese Stadt ist eine Droge, oder die Menschen dort sind die Droge der Stadt. Zu wenig Kinder werden produziert in B., kein Wunder, niemand aus B. gefällt jemandem aus B.. Darum ist Frank Stremmer abgehauen, hat Marion und somit eine vierzehnjährige Beziehung hinter sich gelassen um in der Schweiz im mondänen Genf ein gutes, ein neues Leben zu beginnen. Aber nach einem Telefongespräch mit Marion packt ihn die alte Droge wieder mit voller Wucht, er bucht einen Flug, er lässt einen Wagen reservieren, er hat ein Date mit Marion und zugleich hat er sich mit seinem guten alten Kumpel Michi auch noch gleich verabredet, alles mit einem einzigen Anruf. In B. brodelt der Schmelztiegel der tragischen Existenzen gemeinsam mit der Stadt einem kleinen Höhepunkt entgegen. Einige Protagonisten treten auf, sie alle sehen sich an einem Wendepunkt, ein gar explosives Ende bahnt sich an, doch einzig und allein nur die Stadt B. weiss, wie alles kommen wird. Frank jedenfalls ist sogleich klar, die Verrückten sind nach wie vor das Salz seiner Heimatstadt und so verlässt er B. eiligst wieder, allerdings nicht alleine…

Christoph Höhtker / Alles Sehen

Fazit: Totale Soziologie einer Kleinstadt und ihrer Menschen!
Höhtkers Roman lesen heisst tatsächlich sehr viel, wenn auch nicht alles sehen, mir war es meistens aber schon zu viel. Ein wenig B. findet sich auf jeden Fall an jedem erdenklichen Ort der Welt, dies war mein soziologisches Wissen, welches ich aus dem Roman zog und dies ist eigentlich ganz gut so, denn es liefert oft Stoff für skurrile Protagonisten in Büchern. Höhtker ist ein schelmischer Schreiberling, er macht vor gar nichts Halt und überspitzt sich selbst in seiner Art von Humor. Böse betrachtet möchte ich sagen, zerfleischt er nebst dieser Stadt vielmehr das Wesen seiner männlichen und weiblichen Protagonisten und parodiert diese genüsslich, dabei verschont er auch seine eigene Wenigkeit nicht. Dieser Roman hat Ideen und Sequenzen, bei welchen ich herzhaft lachen konnte, besonders angetan hat es mir zum Beispiel der Architekt, welcher seinen teuren Velos mehr Hingabe widmet als seinen überambitiösen Möbelstücken und seinen Freundinnen. Ja, und auch diesem Typen, Frank, dem würde ich gerne einmal begegnen, wobei, vielleicht bin ich das sogar schon.

Christoph Höhtker ist mit “Alles sehen”
nominiert für den Schweizer Buchpreis 2016.

Meine Wertung: 6/10

Christoph Höhtker / Alles Sehen
Verlag: Ventil, Seiten: 337

 

Kommentar

So, nun habe ich auch den Höhtker gelesen, sehr viele Fussnoten, sehr viel Ironie, der nimmt uns gewaltig auf die Schippe, dies mein Eindruck. Nun, für mache sicherlich eine sehr erheiternde Lektüre, für viele aber sicherlich einfach zu viel des Guten. Ich bin gespannt auf den Sonntag und die Preisverleihung.

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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