Christoph Poschenrieder / Der Spiegelkasten

by Manuela Hofstätter on 12. Februar 2012

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Er erledigt seinen Job, er ist diesbezüglich korrekt, aber er merkt, was er tut, das stimmt nicht ganz, Kopf und Herz, das geht nicht zusammen, sein Leben beginnt zu bröckeln wie ein altes Bauwerk, da findet er in alten Fotoalben die abstruse und doch faszinierende Geschichte seines Grossonkels. Diese Bilder, diese Geschichte nimmt ihn mehr und mehr in Beschlag. Ismar Manneberg ist deutsch-jüdischer Offizier im Ersten Weltkrieg, er erledigt seine Arbeit korrekt, aber er fühlt in sich einen Widerstand, gegen welchen er fast nicht mehr ankommen kann. Die Schrecken des Krieges, das Morden fordern ebenfalls ihren Tribut, Manneberg klammert sich an einen Briefwechsel mit einer Frau, von welcher er nicht einmal sicher weiss, dass es sie auch wirklich gibt. Aber alles ist schrecklich unwirklich im Krieg und die Tatsache, dass es das eben nicht ist, die bringt so manchen Mann um den Verstand. Manneberg bemerkte schon früh, dass man ihn der jüdischen Herkunft wegen anders behandelt, er ist sich da ziemlich sicher und allein schon deswegen will er ein guter Offizier sein, er will es ihnen zeigen, was in ihm steckt. Doch ein brutaler Vorfall geht Manneberg zu nahe, er wird zum Patienten und kämpft darum wieder aufs Feld zu gelangen, kämpft um seinen Verstand und seine Ehre. Die Begegnung mit einem speziellen Militärarzt und dessen unkonventionellen Methoden lassen Manneberg aufleben, aber der Krieg ist, was er ist und macht aus den Menschen etwas, dem kann sich auch Manneberg nicht entziehen. Der Grossneffe verliert sich in der Vergangenheit, da trifft eine E-Mail einer Frau bei ihm ein, sie will sich mit ihm treffen und nimmt Bezug auf Mannebergs Geschichte. Damals und heute, zwei Männer in zwei völlig anderen Zeiten und Situationen sind doch auf erschreckende Art und Weise in derselben Geschichte gefangen und müssen ihren Weg finden.

Fazit: Kann man den Höllen im Leben unversehrt entkommen?
Poschenrieder hat eine ganz eigene Sprache, ich musste mich recht daran gewöhnen und finde diese Geschichte nicht ganz einfach zugänglich. Aber der Autor baut aus einigen geschichtlichen Fakten und Personen eine fiktive Geschichte auf, welche sich langsam und bizarr aufbaut und dann einen grossen Nachhall hinterlässt. Eine Geschichte über den Schrecken und die Sinnlosigkeit des Krieges, aber auch eine Geschichte über die Zerrissenheit im Innern von uns Menschen.

Meine Wertung: 5/10

Christoph Poschenrieder / Der Spiegelkasten
Verlag: Diogenes, Seiten: 222

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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