Christoph Poschenrieder / Kind ohne Namen

by Manuela Hofstätter on 28. Februar 2018

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Xenia ist weggegangen, weg vom beengenden Dorf im Nirgendwo, weg vom Burgherrn, der die Geschicke des Dorfes manipuliert, weg von ihrer Mutter, die das Dorf zusammenhalten will und weg von Bruder, der eine rassistische Gesinnung entwickelt. Doch Xenia studiert nicht lange und eine Schwangerschaft begleitet sie, als sie in ihr Dorf zurückkehrt. Die Mutter wie auch die Dorfbewohner bemerken nichts, Xenia bleibt recht schlank und zudem hat das Dorf ganz andere Probleme, als auf die Bäuche von Zurückgekehrten zu achten. Im Schulhaus sind Fremde aus dem Nahen Osten einquartiert worden, das ist eine vorübergehende Lösung, der Burgherr vergibt Arbeit, es sollen Flüchtlingsunterkünfte im Dorf gebaut werden. Xenias Mutter versucht zu vermitteln, hilft den Fremden und Xenia hilft auch mit, dabei lernt sie Ahmed kennen und mögen. Schliesslich brennen die neuen Unterkünfte, was ein Todesopfer fordert und die Presse ins Dorf bringt, war der Brand ein Unfall oder wurde er absichtlich gelegt, ist dieses Dorf fremdenfeindlich? Der Burgherr kann meistens alles richten, er verhandelt mit Xenias Mutter, doch er fordert einen Lohn für seine Hilfe ein, einen abstrusen Lohn, er fordert das nächste ungetaufte neugeborene Kind des Dorfes ein und die Mutter sagt zu in diesem abstrusen Handel, nicht wissend, dass ihre Tochter ein Kind bekommt. Das Unheil ist vorgezeichnet, während sich Xenia und Ahmed näherkommen, rückt auch das Unheil auf das Dorf zu. Eine Spinnenplage erregt die Gemüter der Dorfbewohner, Xenia bekommt ihre Tochter, der Burgherr will sein Recht einfordern und so büxt Xenia mit ihrer Kleinen aus, um diese Taufen zu lassen. Aber plötzlich ist Xenias Mutter nicht mehr die starke Frau, die vermitteln kann und auch Xenia gerät ins Wanken. Wird es eine Zukunft geben für sie und ihre Tochter, eine Zukunft, vielleicht mit Ahmed und endlich einen Namen für ihr Kind? Xenia greift zur Lektüre und findet in Gotthelfs Werk die Lösung der Probleme.

Fazit: Moderne Fabel, angelehnt an Gotthelfs “Die schwarze Spinne”
Christoph Poschenrieder vermag auf lustvolle Art und Weise eine Fabel über Gut und Böse zu schreiben, die aktuell die Lage der Flüchtlinge wie auch die Angst der Leute vor den Fremden zu beschreiben mag. Zugleich lehnt der Autor die Geschichte aber an Gotthelfs Schwarzer Spinne an und spielt glaubhaft mit dem Aberglauben der Menschen, mit der Angst vor dem Unheil und den Reaktionen der Menschen, die in allen Zeiten dieselben bleiben. Ein fabelhafter Roman.

Meine Wertung: 7/10

Christoph Poschenrieder / Kind ohne Namen
Verlag: Diogenes, Seiten: 288

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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