Corinna T. Sievers / Die Halbwertszeit der Liebe

by Manuela Hofstätter on 27. Juni 2016

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Frau Doktor Margarete Dorn lebt getrennt von ihrem Exmann, einzig die zwei Hunde tauschen sie noch immer zwischen sich aus, denn beide hängen sie an den Vierbeinern, ihre Ehe blieb ja kinderlos. Margarete ist Schönheitschirurgin in Zürich, so etliche Männerglieder hat sie schon operiert, ihr Exmann sah darin ein Grund für ihre Lustlosigkeit. Margarete ist schlicht nicht dazu fähig, Lust zu empfinden im sexuellen Bereich, sie praktiziert zwar diesen, aber lediglich als Gesundheitsvorsorge. Nun aber, mit fünfundvierzig Jahren, will sich die Chirurgin endlich verlieben, Einsamkeit empfindet sie gelegentlich und dies gefällt ihr nicht, sie ist eine grosse Frau und eine geradezu beinmagere, sowie auch flachbrüstige, dennoch bestätigt ihr die Männerwelt immer wieder, dass sie auf ebenjene eine grosse Wirkung hat. Auf einem Ärztekongress sieht sie Heinrich, er ist der Stargast, derjenige Professor, welchem die Studentinnen zu Füssen liegen, aber die Spuren des Alterns machen sich bei ihm schon deutlich sichtbar. Liebevoll hat Margarete all dies registriert und ist sich sicher, er ist es, ihn will sie lieben. Ein paar schlafarme Nächte später ist ein erstes Treffen ausgemacht, wunderbarerweise scheint Heinrich gleichermassen nur noch eines zu wollen, nämlich Margarete. Heinrich gibt sich sehr selbstsicher, doch in Wahrheit ist er herrlich, dominant und auf ähnlich verkappte Art besitzergreifend und eifersüchtig, wie dies auch schon Margaretes Exmann war. Doch wo die Liebe hinfällt, versucht Frau alles zu übersehen, beschönigt und hält an ihrer Liebe fest. Doch Heinrich will einen Liebesbeweis und hat dazu auch schon konkrete Vorstellungen, als sie in den Bündner Bergen ein paar Tage gemeinsam verbringen, passiert auf einer Bergwanderung ein Unfall. Margaretes Unglück ist an sie herangetreten, sie schafft es kaum mehr, die Liebe zu Heinrich, ihre fixe Idee davon, aufrechtzuerhalten. Als dann noch ihr Exmann mit einer traurigen Nachricht auftaucht, nimmt alles einen verworrenen Lauf…

Corinna T. Sievers / Die Halbwertszeit der Liebe

Fazit: Frau Doktor, Schönheitschirurgin und die Sache mit der Lustlosigkeit.
Diese Autorin darf man wohl wirklich mit Frau Sibylle Berg vergleichen, sie schreibt ungeschminkt, zuweilen mutig wie bizarr verwirrend. Ihre Protagonistin ist eigen und über ihren Weg als starke Frau in der heutigen Zeit und zudem noch in ihrem Berufszweig äusserst amüsant zu lesen. Ihre berufsbedingte Macke, jeden Mann nach Land oder anderen Kriterien immer nüchtern nach Penisgrösse zu erfassen, ist zuweilen recht erheiternd. Ein Roman, wie man ihn nicht alle Tage liest.

Meine Wertung: 7/10

Corinna T. Sievers / Die Halbwertszeit der Liebe
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt, Seiten: 223

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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