Dan Marshall / Meine scheisskranke Familie

by Manuela Hofstätter on 29. März 2016

Post image for Dan Marshall / Meine scheisskranke Familie

Dan erlebt mit seiner Freundin gerade unbeschwerte Ferientage, als ihn ein Telefonanruf erreicht und für immer aus der Idylle seines Lebens reisst. Dan hat sein Elternhaus in Utah, seine beiden jüngsten Schwestern leben noch dort, sein homosexueller Bruder lebt auch sein eigenes Leben wie auch die Fünfte im Bunde der Marshallkinder, seine dritte und älteste Schwester. Nun haben es alle erfahren, ihr immer vor Gesundheit strotzender und fröhlich optimistischer Vater, der Marathonläufer, hat eine schreckliche Krankheit diagnostiziert bekommen: ALS, Amyothrophe Lateralsklerose auch Lou-Gehrig-Syndrom genannt, eine tödliche, neurologische Erkrankung. Zuerst ist da Ungläubigkeit, auch Unwissen, Verdrängung, doch nicht ihr starker Dad, es muss sich um ein Missverständnis handeln, nein, tut es nicht, Scheisse. Dann aber folgt die schreckliche Phase der Erkenntnis und alle Marshallkinder müssen handeln, allen voran die beiden Brüder. Dan ist sich voll bewusst, dass er der grösste Kotzbrocken der Familie ist; reich, verwöhnt und immer darauf aus, anderen mit fiesen Sprüchen und dreckigem Humor auf die Pelle zu rücken. Immer hat die Familie ihren Zusammenhalt durch den Vater als Fels in der Brandung erfahren, die Mutter ist nämlich seit alle denken können mit einer ungeheuren Kraft und ihrem endlosen Optimismus gegen ihren Krebs am Ankämpfen. Dan liebt seinen Vater, sie alle lieben ihn und darum beantragt er einen langen, unbezahlten Urlaub um heimzureisen und bei der Pflege seines Vaters zu helfen. Es folgt ein langer und harter Weg, zuerst glauben alle noch an ein Wunder, und dass der Vater noch lange leben wird, mit letzter Kraft und Hilfe vieler Freunde und der Familie nimmt er noch an seinem Traummarathon teil. Doch bald muss ein Rollstuhl angeschafft werden und als Dan zum ersten Mal seinen Vater waschen muss, ahnt er noch nicht, wie krass die folgenden Monate noch werden würden. Dan hat seinen Job nun ganz aufgegeben, sogar seine Freundin hat ihn verlassen, der Vater hängt mittlerweile am Beatmungsgerät und eine Pflegerin hilft mit, damit nicht alle Marshalls völlig zusammenbrechen. Aber die Situation ist unbeschreiblich, nicht nur das Haus und der Garten sind heruntergekommen, nein sie alle leben am Limit, die Mutter ist zugedröhnt mit starken Schmerzmitteln, um die Folgen ihrer starken Chemo zu überleben und Dan, wie auch alle andern sind am Ende. Unbeschreibliches passiert, aber Dan kann es mit viel Fluchen, mit viel Fäkalsprache, Alkoholkonsum und dem kuriosen Humor der Familie Marshall erzählen. Sie waren schon immer eine eigenartige Familie, sie gehören zu den wenigen Nicht-Mormonen in ihrem Ort. Aber dann beschliesst der Vater, dass er Sterben will und die Marshalls müssen damit umgehen, denn eines, dass können sie, einander lieben!

Dan Marshall / Meine scheisskranke Familie

Fazit: ALS und wie es einen geliebten Vater aus seiner schrägen Familie reisst!
Dieses Buch verlangt uns im sprachlichen Bereich so einige Toleranz ab, aber man kann plötzlich auch fluchen, denn verfluchte Scheisse, diese Krankheit können keine schönen Worte allein beschreiben und die Marshalls sind einerseits eben völlig durchgeknallt und gerade vielleicht darum so herzergreifend authentisch und ehrlich. Wir erleben einen langen Weg mit der Familie, dieser Krankheit und der ganzen Gefühlspalette, die diese dem Betroffenen und den Mitleidenden abverlangt. Zeitweilig dachte ich, dass ich es nicht mehr schaffe, dieses Buch zu lesen, doch dann musste ich immer daran denken, was diese Familie in Wahrheit erlebt hat. Ich verbeuge mich vor der Kraft und dem Mut aller Personen in diesem Buch. Welch Geschenk es doch ist, gesund sein zu dürfen. Vom Verkauf dieses Buches geht ein Betrag an diejenigen Organisationen, die sich mit dieser grauenvollen Krankheit befassen.

Meine Wertung: 7/10

Dan Marshall / Meine scheisskranke Familie – Eine verdammt wahre Geschichte
Verlag: Atrium, Seiten: 448

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
There are no images.
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment