Daniela Krien / Irgendwann werden wir uns alles erzählen

by Manuela Hofstätter on 31. Oktober 2011

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Die siebzehn Jahre junge Maria hat endlich einmal Glück. Sie konnte nicht mehr bei der traurigen Mutter wohnen und ihren Vater, den sieht sie höchst selten, der hat eine neue russische und blutjunge Freundin und keine Zeit für seine Tochter. Aber Maria hat bei ihrem Freund Johannes und dessen Eltern ein neues zu Hause gefunden. Auf dem Hof darf sie mit Johannes unterm Dach wohnen, in den Spinnenzimmern, so nennt Maria für sich die Räume. Maria schwänzt oft die Schule und wird wohl die Abschlussklasse nicht schaffen. Am liebsten liest sie Bücher, doch sie gewöhnt sich bald an die harte Arbeit auf dem Hof und bewährt sich. Sie mag die Menschen und den Hof und sie weiss es zu schätzen, dass man ihr so viel Vertrauen und Lob entgegenbringt. Es ist ein heisser Sommer und es ist der Sommer nach dem Mauerfall, sie reist mit Johannes zum ersten Mal in den Westen, alles ist neu und spannend. Johannes kauft sich eine Kamera und ist von da an besessen und entschlossen Künstler zu werden, das harte Hofleben sagt ihm nicht zu und der Vater Siegfried und die Mutter Marianne wissen das auch, allein schon die zarten Hände ihres Sohnes sprechen dagegen. Johannes macht zuerst unzählige Bilder von Maria, er plant gar mit ihr wegzugehen, um zu studieren, und bald findet er dann auch Gefallen an anderen Sujets zum Glück für Maria. Ja, sie liebt Johannes, aber dann bahnt sich eine Geschichte an, welche mit Urgewalt über das junge Mädchen hereinbricht. Auf dem Nachbarhof lebt der einsame, vierzigjährige Henner, über welchen man sich so seine Geschichten erzählt, saufen tut er und den Frauen gefällt er eben, auch wenn diese es nicht gerne zugeben, er soll ganz viele Bücher haben und ist ein dermassen komischer Kerl. Das Unfassbare passiert, es darf nicht sein und doch ist es stärker als alles Andere. Maria weiss, dass Henner viele Bücher hat, sie verstrickt sich in eine Affäre mit dem Nachbarn und in schlimmen Schuldgefühlen. Sie betrügt nicht nur ihren Johannes, nein einfach so viele Menschen, welche ihr so wohlgesinnt sind und gewiss wird diese Lüge auffliegen und was dann, was soll dann aus Maria werden?

Fazit: Eine unmögliche Liebe… und Deutschlands Mauerfall
Diese Liebesgeschichte hat nicht nur eine völlig dramatische Seite, nein, sie ist von einer gar brachialen Gewalt und man kann sich ihr kaum entziehen, selbst wenn man doch will und dies vielleicht auch müsste. Aber diese neue Zeit, welche da anbricht auf einem Hof mit seinen Menschen und Geschichten, die ist faszinierend. Die Veränderung, Freude, aber auch Angst vor dem geeinten Deutschland wird so intensiv dargestellt, die Personen wandeln sich und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Ein beeindruckender Erstling dieser Autorin!

Meine Wertung: 8/10

Daniela Krien / Irgendwann werden wir uns alles erzählen
Verlag: Graf, Seiten: 235

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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{ 3 comments… read them below or add one }

1 Steffi November 14, 2011 um 01:14

Ich hab viel Positives über das Hörbuch gelesen. Ich weiß allerdings nicht, ob ich die Geschichte lesen möchte. Klingt doch irgendwie anstrengend. Vielleicht hör ichs mir auch an. Vlg

2 Manuela Hofstätter November 14, 2011 um 21:27

das lesen ist jede anstrengung wert ;-)

3 Konstantin [derschoeneblog.de] August 7, 2012 um 19:43

Ich fand das Buch alles andere als anstrengend. Schon wegen seiner eher einfachen Sprache, eben die einer Jugendlichen ist es leichtgängig, wenngleich der Inhalt natürlich alles andere als leichtfüßig daherkommt. Um es kurz zu machen: Es las sich grandios, es ist grandios und man sollte es gelesen haben! Liebe Grüße

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