David Bielmann / Die Leserin

by Manuela Hofstätter on 23. April 2019

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Daniel Bühlmann arbeitet in einer Druckerei, er sitzt abends gerne mit einem Glas Wein neben seiner Katze und hört Musik, doch dann gerät das unspektakuläre Leben des Mannes in Aufruhr, als er sich im Zug neben eine Leserin setzt. Drei Seiten hat er mit ihr mitgelesen, drei Seiten lang waren sie eins in einem Buch, einem Roman, dann hat sie ihn entlarvt und kess angesprochen. Lisa, sie weiss nicht einmal seinen Namen, doch er kennt den ihren, denn sie hat ihm von ihrem Blog berichtet. Natürlich besucht er ihr Blog, nicht nur das, er besucht nun regelmässig die Buchhandlung, wird zum Stammkunden, er liest und liest, fühlt sich “ihr” dann nahe, denn zum Glück kündet sie in Netz an, was sie als nächstes lesen wird. Doch auf seinen Gruss reagiert sie emotionslos, sie lebt offensichtlich in ihren Büchern, darum beschliesst er zu schreiben. Er ringt, er übt, er legt seine ganze Leidenschaft in den Roman, den er nur für sie schreiben will. Dann ist es soweit, er druckt zwei einzige Exemplare von “Die Leserin” und sendet Lisa ihren persönlichsten Roman ihres Lebens zu. Er hat sich vom Leben zurückgezogen, ist zum Schriftsteller geworden, doch von Lisa hört er lange nichts, dann erreichen ihn knappe Worte, ihre Lebens- und Lesezeit ist ihr zu kostbar um unlektorierte Bücher ohne Verlagshaus im Hintergrund zu lesen. Er ist am Boden zerstört, doch dann voller Elan, er hat einen Termin beim bekannten Verleger Friedrich Rosengarten, dieser lobt ihn für den gelungenen ersten Satz in seinem Werk, doch macht ihm danach unmissverständlich klar, der Rest sei Müll, keine Literatur. Doch Daniel ist jetzt erst richtig wild entschlossen, seinen Roman zu verbreiten, er lässt an seinem Arbeitsort eine grössere Auflage drucken, hat sich einen Künstlernamen zugelegt und beginnt nun, den Roman “Die Leserin” von D. Bielmann an verschiedenen Orten zu hinterlegen. Bald berichtet die Presse über das geheimnisvolle Buch und da er in Buchhandlungen gleich ganze Büchertaschen hinterlassen hat, liegt sein Roman dort bald auf und wird verkauft. Er geniesst den Augenblick, als er sein eigenes Buch kauft, doch kümmert dies Lisa, wird sie lesen, verstehen, oder ist Lisa doch nicht echt, ist die Leserin eine andere, der Autor ein anderer, diese Geschichte eine andere? Roman, Liebesgeschichte, Historie, Thriller oder gar ein gerissenes Sachbuch über Literatur und ihre Leserschaft?

Fazit: Lesen ist Leben!
So heisst das Blog einer Figur in David Bielmanns neuem Buch “Die Leserin”, welches ich zum Welttag des Buches empfehle und welches mir diesen Tag vergoldet hat. Dieses Buch ist einerseits eine Ode ans Lesen und darüber hinaus eine so berührende wie auch selbstironische Geschichte und Auseinandersetzung mit dem Lesen, dem Schreiben und der Literatur. David Bielmann spielt geschickt mit allen Genres und wagt sich kühn an Themen der heutigen Literaturszene heran. Er tut dies mit seinem unvergleichbaren Charme und somit nur für jene, die es lesen wollen, für alle andern hat er mit “Die Leserin” eine zauberhafte Liebesgeschichte geschrieben, eine interaktive zugleich noch und auch hier zeigt er sein spielerisches Können. Lesen, verlieben und die nächste “Leserin” oder der nächste “Leser” sein!

Meine Wertung: 9/10

David Bielmann / Die Leserin
Verlag: Riverfield, Seiten: 112

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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