David Bielmann / Im Schatten der Linde

by Manuela Hofstätter on 30. April 2018

Post image for David Bielmann / Im Schatten der Linde

Wir schreiben das Jahr 1820, im freiburgischen Dorf Rechthalten machen sich viele zurecht, um ans grosse Maifest in die Stadt zu gehen. Auch die 21-jährige Christina Aeby ist unterwegs, sie will mit ihrem Schatz, dem Peter Roschi aus dem Nachbardorf Plasselb, zum Fest gehen. Christina ist der ganze Stolz der Rechthaltener, sie ist so betörend schön, alle verehren und bewundern sie, das schöne Mädchen ist über die Dorfgrenzen hinaus bekannt und zudem scheint sie eine rechtschaffene Person zu sein. Nach dem Fest bringt Peter seine Liebste bis zum Waldrand vor ihrem Dorfe, es ist noch hell, er kehrt glücklich um, um seinen Heimweg unter die Füsse zu nehmen. In dieser Nacht verliert die schöne Christina ihr Leben, sie wird brutal mit Holzzaunstöcken totgeschlagen, Rechthalten verliert das Vertrauen in den Dorffrieden. Die beiden Landjäger Rotzetter und Dousse beginnen mit den Ermittlungen, sie kommen nicht immer zu denselben Resultaten, erst recht nicht, als ihnen die obrigen Herren aus der Stadt exakter auf die Finger schauen, denn der Täter ist noch nach etlichen Wochen nicht überführt. Gleich am Tage nach der Tat ziehen die Landjäger ins Nachbardorf, wo sie aufs Unfreundlichste empfangen werden, doch sie verhaften den unter Mordverdacht stehenden Peter Roschi direkt nach seinem sonntäglichen Kirchgang. Im Laufe der Ermittlungen wird noch ein zweiter Mordverdächtiger dingfest gemacht, es ist dies der Taugenichts Peter Bächler. Landjäger Rotzetter ist von Anfang an nicht von der Schuld des höflichen Peter Roschi überzeugt, aber wer kennt schon das Wesen eines Mörders, der dümmliche Peter Bächler scheint ihm zwar einer solchen Tat fähiger zu sein, von seiner körperlichen Kraft her, aber es ist kaum vorstellbar, dass dieser Peter die Tat vollzogen haben soll. Schliesslich werden die beiden Verdächtigen in den berüchtigten Jacquemartturm nach Freiburg überstellt, dort wird man Mittel und Wege finden, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Landjäger Rotzetter zerbricht fast, immer mehr spricht er dem Alkohol zu, er kann diesen Fall nicht vergessen, er bekommt Christina nicht mehr aus seinem Kopf. Auch dem Dorfpfarrer geht es so, er war es schliesslich, der im Geheimen der jungen Christina das Lesen und Schreiben beigebracht hat, er verehrte diese junge schöne Frau aus ganzen Herzen und hadert nun mit Gott wegen dieses Verlustes. Rechthalten braucht lange, um wieder zur Ruhe zu kommen, ist der wahre Täter einer der Verdächtigen, oder weilt immer noch ein Mörder unter ihnen?

Fazit: 1820, ein Mord nach dem Maifest bewegt das freiburgische Dorf Rechthalten.
Der Autor David Bielmann ist selber im Dorf Rechthalten geboren, die Geschichte um den tatsächlichen Mord an der Christina Aeby ist für die Nachwelt präsent geblieben. Es gibt ein altes Lied in Rechthalten, welches von der traurigen Tat berichtet und der Zürcher Künstler Ludwig Vogel malte im Jahr dieses Mordes den Gasthof “Zum Brennenden Herzen” in Rechthalten, in welchem der Mörder nach seiner Tat eingekehrt ist. Bielmann schreibt in einer eindringlichen, wie klaren und zur vergangenen Zeit passenden Sprache und vermag dem Fall von damals auf gekonnte Art Leben einzuhauchen. Dieser historische Kriminalroman liest sich tatsächlich fast wie ein Lied, gesungen an einem warmen Maitag unter dem Schatten einer Linde und es ist ein Lied, das hängen bleibt.

Meine Wertung: 7/10

David Bielmann / Im Schatten der Linde
Verlag: Zytglogge, Seiten: 185

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
Share with your friends










Submit

{ 1 comment… read it below or add one }

1 Margrit Hegglin Mai 1, 2018 um 08:59 Uhr

Martin Suter: “Zeit, Zeit” ist wiederum verstörend spannend. In einem Zug gelesen. Super!!!!

Leave a Comment