Debra Dean / Palast der Erinnerungen

by Manuela Hofstätter on 27. Dezember 2005

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Marina und Dimitri sind alt geworden, ihre Kinder sind nun selbst Erwachsene und in dem Alter wo die Fürsorge, zwischen alt und jung eher kippt. Der Sohn will die beiden gerne im Wohnheim haben, er bangt um seine Mutter, denn Marina ist nicht mehr so, wie sie war, Marina hat Alzheimer. Die Tochter weiss das noch nicht und ist nur zunehmend entsetzt über den Zustand der Mutter, als sie sie dann nicht einmal mehr erkennt, ist auch für sie der Fall klar. Doch Marina weiss schon noch wichtige Dinge, solche, über die sie und Dimitri niemals mehr sprachen, schon gar nicht mit den Kindern. Marinas glasklare Erinnerungen führen uns ins Leningrader Eremitagemuseum des Jahres 1941, Marina ist dort Museumsführerin gewesen. Aber in demjenigen Winter wurden sie beständig bombardiert, Hunger Tod und Kälte beherrschte die Stadt, ihr Verlobter Dimitri ist im Krieg, Marina ist alleine und verzweifelt. Das Museum ist leer, alle Kunstschätze wurden geräumt, tagelang hat Marina verpackt, nun ist nur noch Not und Leere da. Doch hier lernt Marina eine alte Frau kennen, welche ihr zeigt, dass sie alleine mit der Kraft ihrer Erinnerung, das ganze Museum wieder mit den Bildern und Kunstschätzen füllen kann, so wandern die beiden Frauen, durch die leeren Säle und beschreiben Bild für Bild präzise bis ins Detail. Marina prägt sich auch Bilder ein, welche sie gar nie hat dort hängen sehen, die Alte aber schon, diese Bilder soll Stalin heimlich verkauft haben. So hat Marina diesen Winter überlebt und sie wurde zum Wunder aller überlebenden Menschen, denn in ihr regte sich Leben, Marina trug ihr erstes Kind unterm Herzen. Diese Erinnerungen trägt Marina fest bei sich und sie sind es, die ihr helfen, wenn sie wieder nicht weiss, was für einen komischen Topf sie eben in der Hand hält, geschweige denn, was sie damit anfangen kann, oder wenn so viele fremde Gesichter sie so fordernd anschauen und sie nur weiss, dass sie diese bestimmt kennen müsste.

Fazit
Eindrückliches Bild des Hunger-Kriegswinters in Leningrad, und faszinierende Kunstbeschreibungen, zudem die Geschichte einer wundervollen Liebe bis ins Alter und dem Leid, welches es mit sich bringen kann. Berührende Situationen aus dem Leben mit der Alzheimerkrankheit. Ein geniales Buch, zwischen Historienroman und Liebesgeschichte!

Meine Wertung: 7/10

Debra Dean / Palast der Erinnerungen
Verlag: Droemer, Seiten: 299

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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