Diverse Autoren / Fremdsein

by Manuela Hofstätter on 6. Dezember 2016

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In diesen verschiedenen Geschichten begegnen wir dem Gefühl des Fremdseins in allerlei Variationen. Einmal in fast märchenhaftem Ton sind wir dabei, als eine Dorfgemeinschaft einen Fremden als Ungeheuer empfindet und diesen vertreiben will, sich dann aber doch noch beim Einsiedler Rat holt und lernt. Auch einem Mann begegnen wir, der nicht nur seine Pfunde verliert, sondern endlich sich selbst findet, Verlust muss er hinnehmen, aber dafür findet er seinen Weg. Besonders bewegt hat mein Herz die Fluchtgeschichte über Idrissou, der auf dem lecken Boot Schrecklichstes erlebt, doch er versucht, einen kleineren Jungen zu beschützen, dessen Vater ihn darum gebeten hat, den Sohn auf dem Boot festzuhalten, er konnte nur für seinen Sohn das Fluchtgeld auftreiben. Als Idrissou ausgehungert und verdurstend dem Tod ins Gesicht blickt, kommt es doch noch anders, er erblickt die viel gelobten Lichter in Europa, allerdings nicht nachts auf dem Boot, sondern als er in einem Spital zu sich kommt. Als man ihm sagt, sein Sohn wolle zu ihm, staunt Indrissou nur ganz kurz, dann kehrt sofort ein Glücksgefühl in sein Herz ein. Herrlich auch die Beschreibung einer Zugfahrt, bei welcher ein Deutscher und ein Syrier gleichermassen ihre Vorurteile abbauen, übereinander staunen und schliesslich gemeinsam zum Bier trinken und Wurst essen zusammenkommen. Sehr vertraut auch die eindingliche Geschichte darüber, wie es sich anfühlt, wenn man merkt, dass man einfach nicht in die grosse Menschenmenge passt, weil man einfach anders tickt, sich alle Mühe gibt und doch einfach diese aufgesetzte Höflichkeit nicht hinbekommt, aus dem Rahmen fällt und öfters unangenehm aneckt. Ich finde, das ist ein sehr beglückendes Fremdheitsgefühl. Wir treffen auch auf eine Frau, die nach ihrer Herztransplantation plötzlich andere Gefühle in sich hat, sie will zuerst dieses fremde Herz am liebsten wieder aus ihrem Leib reissen, doch dann macht sie sich auf den Weg, um etwas über ihr neues Herz herauszufinden. Noch viele weitere Geschichten eröffnen uns neue Blickwinkel und ist es nicht so, dass es nur Neugierde braucht, um die Angst vor Fremdem abzubauen? Neugierde und ein mutiges Herz können viel verändern. Lesen und staunen!

Diverse Autoren / Fremdsein: 15 Geschichten über ein Gefühl, das verbindet

Fazit: Ein Buchprojekt für Flüchtlingskinder
Wer dieses Buch kauft, spendet damit den Kaufbetrag den Hilfswerken terre des hommes schweiz und World Vision Schweiz. Folgende Autoren haben ihre Arbeiten kostenlos zur Verfügung gestellt und somit auch einen wertvollen Beitrag geleistet, aber auch die Lektoratsarbeiten und alle, die es sonst noch gebraucht hat, um dieses Büchlein zu vollenden, arbeiteten ohne Lohn für eine gute Sache: Nessa Altura, Zora Debrunner, Bianca Fritz, Franz Hohler, Nicolas Hunkeler, Johann Maierhofer, Peter Ch. Müller, Felicitas Pommerening, Pascal Reber, Frank Schliedermann, Kathrin Schwarz und Patrick Tschan. Tatsächlich erschien mir die eine oder andere Geschichte etwas fremd, aber die meisten trafen mich mitten ins Herz und ich bin überzeugt von einem solchen Projekt. Gemeinsam ein Zeichen setzen mit einem Stück Literatur, mit einem Buch, das ist gut!

Meine Wertung: 7/10

Diverse Autoren / Fremdsein: 15 Geschichten über ein Gefühl, das verbindet
Verlag: neobooks, Seiten: 77
http://fremdsein.net

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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