Donal Ryan / Die Sache mit dem Dezember

by Manuela Hofstätter on 26. Februar 2015

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Johnsey Cunliff hat sich seit er denken kann gefragt, warum er nur so geworden ist, wie er ist und ob sein Denken überhaupt als ein solches bezeichnet werden kann. Er ist ein schräger Versager, ein armer Kerl, Zielscheibe der anderen Jungs, die ihn gerne fertigmachen. Dabei ist Johnseys Vater ein Held, bewirtschaftet die Farm im kleinen, irischen Dorf mit fleissiger Hand und liebt seine Frau und Johnsey über alles. Johnsey wäre so gerne normal. Wenigstens um seinen Eltern eine Freude zu machen, doch dann stirbt sein Vater und kurz darauf auch die Mutter und er liegt im Krankenhaus, übel zugerichtet, so richtig am Ende. Aber dieses Ende bringt ihm zwei Freunde in sein neues Leben auf der vereinsamten Farm, sein Zimmergenosse aus dem Spital und die hübsche Krankenschwester, welche ihm im Spital nähergekommen ist, als dass sie dies hätte tun dürfen. Hat er wirklich Freunde gefunden? Das Dorf ist auf jeden Fall in Aufruhr, ein Bauprojekt soll allen ein schönes Leben bescheren, Aufschwung und Reichtum bringen. Und ausgerechnet wegen ihm, dem doofen Johnsey, wird nichts aus diesen wichtigen Geschäften. Das Land seines Vaters will Johnsey achten und mitnichten denjenigen Idioten hergeben, welche ihn so geplagt haben. Gerüchte brechen über Johnsey herein, stehen sogar in der Zeitung, doch das kümmert ihn kaum. Johnsey ist viel zu sehr damit beschäftigt sich zu fragen, ob er vielleicht sogar eine Frau fürs Leben gefunden hat, ausgerechnet einer wie er, und ob sich diese Frau wohl jemals mit seinem Freund vertragen kann. Ja, es sind turbulente Zeiten und da muss einer wie Johnsey schon recht intensiv nachdenken, wer ihm wohl gutgesinnt ist und wer nicht und was er selber denn überhaupt möchte. Ob er das alles hinkriegt?

Donal Ryan / Die Sache mit dem Dezember

Fazit: Freund oder Feind? Das ist hier die Frage!
Die Geschichte von Johnsey Cunliff führt durch alle Jahreszeiten. Genauer durch jeden Monat eines Jahres und sie berührt uns eigentümlich. Wer ist er denn dieser Kerl, einerseits einfältig und doch von tiefschürfenden Gedankengängen beseelt? Seine Eltern haben ihn geliebt und so ist er einer geworden, dem kein Hass endgültig ins Herz kriechen kann. Nein, er fühlt mit und kann auch nicht über die ärgsten Feinde richten. In seiner Naivität besitzt dieser Protagonist wahre Grösse und die Fähigkeit unverstellt zu denken. Eine seltsame Geschichte; aufregend, berührend, komisch und unvergesslich. Fast so, wie wenn man einen neuen Freund fürs Leben findet.

Meine Wertung: 7/10

Donal Ryan / Die Sache mit dem Dezember
Verlag: Diogenes, Seiten: 259

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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