Doris Knecht / Besser

by Manuela Hofstätter on 28. Februar 2013

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Ihre Vergangenheit, die lässt Toni gerne aussen vor, da gibt es nichts, woran man sich erinnern will und in ihrem jetzigen Leben, da ist ja wirklich alles anders, es ist alles gut, richtig gut, vielleicht zu gut? Als Frau Pollak hat Toni einen wunderbaren Mann, einen reichen Mann mit guten Ansichten, er hat ihr ein riesiges Atelier geschenkt, dort sollte sie sich frei entfalten können und sie haben zwei wunderbare Kinder. Bei den häufigen Essen mit ihren Freunden, fast allesamt gut situierte Intellektuelle, gibt es gute Gespräche, wichtige Themen und den richtigen Wein. Aber hinter dieser schönen Fassade gerät Toni immer wieder ins Straucheln, eine Kindheit lässt sich nicht gänzlich streichen, sie hat Spuren hinterlassen, auch wenn Toni mit vielen Geheimnissen ihr Leben zu meistern versucht. Als Mutter ist Toni immer voller Angst, Angst zu versagen, keine gute Mutter zu sein, ihre Kinder nicht beschützen zu können und überhaupt, sie ist eine Frau, die ständig gegen eine panische Angst ankämpft in ihrem Innern. Toni glaubt ans Unglück, zu lange hat dieses sie geprägt, dabei ist sie doch eine Powerfrau mit gutem Herzen, was hat sie nicht alles gemeistert, doch es gibt auch etwas Unzähmbares in ihr, dafür schämt sie sich und doch kann sie es nicht bezwingen. Die Lügen in ihrem Leben nagen an Toni, immer erwartet sie, dass das Schicksal zuschlägt und sie vom Leben bestraft wird. Aber Ihr Mann Adam könnte doch nicht verstehen, dass es da noch einen andern gibt, es darf ihn nicht geben, nach einem schlimmen Erlebnis beschliesst Toni einmal mehr an sich zu arbeiten, ihre “Fehler”, so auch ihn zu streichen, “nur” eine gute Mutter und eine Ehefrau zu sein. Irgendwie ist Toni das Eine und aber auch das Andere, das bringt sie in arge Bedrängnis, denn sichergeht das nur ihr so, wegen ihrer beschissenen Vergangenheit. Was ist richtig und was ist falsch, wie soll man bloss Leben, ohne daran zugrunde zu gehen, Toni muss es herausfinden!

Fazit: Ein Buch, das schlicht besser ist!
Eine direkte, ungeschminkte, brutal ehrliche Story über das ganz normale und eben doch total verrückte Leben, das man führt oder zu führen glaubt. Doris Knecht beweist uns ganz genau, dass eigentlich immer alles anders ist, als man annehmen will und Ihr Roman ist eine herrliche Sache, mit welcher man sich mal wieder ins Bewusstsein rufen kann, dass alle Menschen eigentlich genau gleich sind. Jeder, absolut jeder hat eine Kindheit, eine Prägung, eine Geschichte, und mit dieser gilt es, das Leben zu überleben! Ein richtig gutes Buch!

Meine Wertung: 8/10

Doris Knecht / Besser
Verlag: Rowohlt, Seiten: 284

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Käthi Krüger Dezember 15, 2013 um 21:56 Uhr

Eigentlich bin ich eine Nacht-Leserin, aber “Besser” von Doris Knecht hat von der ersten bis zur letzten Seite eine unterschwellige Spannung, dauernd zitterte ich vor Angst, Toni könnte straucheln und von ihrer Vergangenheit eingeholt werden, dass ich nur tags weiterlesen konnte. Die inneren Konflikte der jungen Frau sind sehr einfühlsam, nachvollziehbar geschildert, wirklich “besser”! Grosse Leseempfehlung!

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