Doris Knecht / Wald

by Manuela Hofstätter on 3. März 2015

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Marian war einst eine stolze Städterin und hatte viele Freundinnen. Als Geschäftsfrau hat sie Mode gemacht und was sie entwarf, das trugen die Frauen, die es sich leisten konnten, und sahen hinreissend aus. Marian aber ist gestrauchelt in ihrem schönen Leben, einerseits über die Männer aber am schlimmsten über die Wirtschaftskrise. Alles hat sie verloren, Marian hatte keine Ahnung, wie arm ein Mensch werden kann. Keine Opernbesuche, keine Konzerte, exklusive Essen in schönen Restaurants gehören ebenso der Vergangenheit an wie luxuriöse Gesichtscrème. All das ist weg, weit weg. Marian lebt nun im kargen Haus ihrer verstorbenen Tante. Das Haus, vielmehr eine Hütte, steht in der Voralpenregion, der Winter dort wird kalt, eisig kalt und Marian weiss von da an, was Hunger und Überlebensangst bedeutet. Die Landleute im kleinen Dorf sind verschlossen und geben Marian zu spüren, dass sie hier unerwünscht ist. Eines Tages aber hat Franz vor ihr gestanden, das war die Wende, er hat Marian von da an Holz liefern lassen für den Winter, nie wieder so dermassen frieren wie im Vorjahr, Marian war dankbar. Franz kommt nun regelmässig. In ihr, bei ihr und zu ihr. Franz ist ein wichtiger Mann im Ort, besitzt viel Land, hat Frau und Kinder zu Hause und ist überall ein geschätzter Mensch. Marian mag Franz immer mehr, sie sieht das erst pragmatisch, sie haben Dinge ausgetauscht, doch nun steht dieses Wort an ihre Hauswand geschmiert: Hur. Marian ist keine Hur, sie fühlt sich auch nicht wie eine, Marian hat gelernt zu überleben, sie kann Brot backen und Lebensmittel konservieren, sie hat einen Garten aufgebaut, sie mag dieses Gefühl, immer am Arbeiten zu sein und zu merken, der Mensch kann überleben. Erlebte sie doch sogar ein paar wenige, wirklich wahrhaftig schöne Momente mit Menschen im Dorf. Franz kommt, es duftet nach Brot im Haus, das Wort steht noch an der Wand. Sie will mit Franz darüber reden, ihm klar machen, was sie ist, was sie sein will. Sie will wieder leben, vielmehr vielleicht erstmals richtig leben?

Doris Knecht / Wald

Fazit: Eine Frau verliert alles und kämpft wahrhaftig um ihr Leben!
Doris Knecht schafft es, absolut glaubwürdig vom Fall und Neubeginn ihrer Protagonistin zu berichten. Die Figur der Marian ist ein starkes Frauenbild, unverklärt, schnörkellos und ehrlich. Eine Frau, welche sich zwar schon noch nach dem Pomp ihres alten Lebens zurücksehnt, aber bewusst das wählt, was sie braucht und dabei stark und glücklich ist. Ein beeindruckendes Buch!

Meine Wertung: 8/10

Doris Knecht / Wald
Verlag: Rowohlt, Seiten: 271

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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