Durian Sukegawa / Die Insel der Freundschaft

by Manuela Hofstätter on 9. Juni 2018

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Irgendwo weit draussen im Pazifischen Ozean leben ein paar Menschen auf der japanischen Insel Aburijima, ihr Leben ist hart und die Jungen verlassen die Insel, Frauen sind auch eher rar vertreten, das Leben auf Aburi ist zudem geprägt von jahrhundertealtem Brauchtum. Ein Vorsitzender ist zuständig für Recht und Ordnung und alles Andere auf der Insel und nun hat er seinem Bauleiter erneut den Auftrag gegeben, fremde Arbeitskräfte auf die Insel zu holen, um endlich die Wasserleitung fertig bauen zu können. Meist flüchten Fremde rasch wieder von der Insel, die einheimischen Männer saufen lieber, als dass sie die harte Arbeit verrichten. Doch nun legt die Fähre an und bringt gleich drei Exoten auf die Insel. Ryosuke, ein junger Mann, der in Tokio seine Stelle als Koch verloren hat, Tachikawa, ein Mann, der sich aggressiv und stark gibt und eine Frau, Kaoru, welche unzählige Piercings entstellen. Die drei neuen versuchen die Arbeit zu meistern, sie haben alle ihre Gründe, dass sie ausgebrochen sind in die Ferne, doch einzig Ryosuke hat auch ganz konkret einen Grund, diese Insel gewählt zu haben. Ryosukes Vater begann Selbstmord, ein Mann namens Hashi, der ein enger Freund seines Vaters war, lebt nun auf der Insel und Ryosuke möchte ihn finden. Es kommt zu Streitereien, mehr als einmal, der Vorsitzende möchte einerseits auch diese Fremden wieder los sein, andererseits möchte er ja mehr Menschen auf der Insel haben, insbesondere Frauen, wenn man denn Kaoru als eine bezeichnen kann in seinen Augen. Die drei Fremden werden sich immer vertrauter und halten zusammen gegen die Insulaner, was auch nottut und als die Wasserleitung fertiggestellt ist, bleiben sie noch auf der Insel. Sie haben sich mit Hashi angefreundet, ein sanfter Mann und Fischer, er lernt Ryosuke das Fischen und spricht mit ihm über die Träume, welche er mit Ryosukes Vater hatte und aufgeben musste. Auf der Insel leben wilde Ziegen, sie werden gejagt und gekocht, doch Ryosuke mag diese Ziegen, er träumt davon, einen Ziegenkäse herzustellen, den die Leute kaufen würden. Aber die Käseherstellung ist äusserst schwierig und die Einheimischen verstehen seine Leidenschaft einfach nicht. Wird er scheitern wie sein Vater, wie Hashi?

Fazit: Einsamkeit, Leidenschaft und Ziegenkäse auf einer japanischen Insel.
Fasziniert hat mich dieser Roman von Sukegawa, allerdings konnte er mich nicht so begeistern wie sein erstes Werk: Kirschblüten und rote Bohnen. Aber die Figuren, die Insel, die skurrile Szenerie hat schon auch eine Wirkung beim Lesen. Ich roch den Lorbeerwald und ich erinnerte mich an die Ziegen, die meine Kindheit prägten und ich zog sofort los, um etliche Sorten Ziegenkäse zu kaufen. Die Grundbotschaft des Romans für mich ist, dass es für jeden Menschen eine Aufgabe gibt, welche ihn mit Leidenschaft erfüllt und das Leben lebenswert macht, es spielt dann auch keine Rolle mehr, ob man in seinem Tun erfolgreich ist oder scheitert. Auch die Freundschaft wird gefeiert und feiernswert ist sie ja tatsächlich!

Meine Wertung: 6/10

Durian Sukegawa / Die Insel der Freundschaft
Verlag: Dumont, Seiten: 350

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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