Durian Sukegawa / Kirschblüten und rote Bohnen

by Manuela Hofstätter on 11. Mai 2016

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Sentaro hat in jungen Jahren seinen Eltern Sorgen bereitet, sass gar eine kurze Haftstrafe ab und seine Mutter verstarb damals. Seitdem empfindet er eine grosse Traurigkeit und arbeitet lustlos im Doraharu, dem kleinen Lokal einer Witwe, die ständig besorgt in die Geschäftsbücher guckt und in der Tat, der Verkauf der Süssspeise Dorayaki läuft nicht gut. Eines Tages aber steht eine alte Frau vor Sentaros Stand, sie hat eigenartig verformte Hände, mit welchen sie auf den Zettel an der Scheibe des Doraharu deutet, auf welchem steht, dass eine Aushilfe gesucht wird. Frau Tokue Yoshii möchte bei Sentaro arbeiten, dieser lehnt die Alte recht entschieden ab, doch Tokue gibt nicht nach und bringt Sentaro ihre selbst gebackenen Dorayaki. Sentaro, welcher eigentlich Süssspeisen gar nicht mag, erlebt ein Wunder, so fein hat es ihm noch nie geschmeckt und zudem will Frau Yoshii lediglich einen lächerlichen Lohn haben. So kommt es, dass Tokue Sentaro nur noch Chef nennt und bei ihm kocht. Die Paste, welche die Füllung ist in den Dorayaki, sie wird aus Adzukibohnen hergestellt. Sentaro hat bislang mit einem Fertigprodukt gearbeitet, weil es ihm zu anstrengend war, die Paste selber herzustellen. Was er nun bei Tokue lernt, das ist eine hohe Kunst, er staunt und bewundert die Alte. Die neuen Dorayaki kommen gut an, der Umsatz steigt an. Wakana, das scheue Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen möchte auch gerne Dorayaki, doch sie kann sie sich selten leisten, bis Tokue ihr immer die leicht misslungenen in einer Tüte zusteckt. Tokues Hände erzählen Ihre tragische Lebensgeschichte, als Kind erkrankte sie an Lepra und verlor für immer ihre Familie und ihr Leben, sie wurde in ein Sanatorium gesteckt, in welchem sie bis heute lebt. Erst im Jahre 1996 wurde in Japan das Gesetz zur Prävention von Lepra ausser Kraft gesetzt und die Zwangsquarantäne für alle schon längst geheilten Menschen aufgehoben. Inzwischen verbindet ein feiner Freundschaftsfaden Wakana, Sentaro und Tokue, aber sie müssen erleben, wie die Menschen noch im Heute nicht aufgeklärt reagieren und Lepra immer noch auf schmerzliche Art und Weise das Leben verändert. Aber auch wenn die Situation schwierig ist, hier haben sich Menschen gefunden und einander erkannt, das Wunder, das ihnen geschenkt wird, ist gross!

Durian Sukegawa / Kirschblüten und rote Bohnen

Fazit: Drei Menschen und das Wunder der Freundschaft.
Diese feine, stille Geschichte lehrt uns wirklich Tokues Botschaft, alles im Leben hat eine Stimme, jeder Moment eine andere Farbe. Das grosse Glück zu erfahren, wie wundervoll es sein kann, im Leben den richtigen Menschen zu begegnen ist kostbar. In unserer oft oberflächlichen, überdigitalisierten und hektischen Zeit ein kleines Wunder und ein Lehrstück in Achtsamkeit!

Meine Wertung: 8/10

Durian Sukegawa / Kirschblüten und rote Bohnen
Verlag: Dumont, Seiten: 220

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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