Eduard Häfliger / Es fing doch so gut an

by Manuela Hofstätter on 23. Juni 2015

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Reckenstein ist eine kleine, feine Stadt, wie manch andere auch, aber sie hat eine Besonderheit. Reckenstein ist fast vollständig von Wald umgeben und hat somit kein Wachstumspotenzial. So verwundert es denn auch sogleich die joggende Tourismusdirektorin, als sie im Wald in aller Frühe auf drei gut gekleidete, fremde Männer stösst, denn sie kennt ihre Stadt und deren Bewohner. Bald eröffnen ebendiese smarten Herren in der Stadt ein Architekturbüro und dies verwundert nun schon weitaus mehr Leute. Was wollen Landschaftsarchitekten ausgerechnet in Reckenstein? Die Tourismusdirektorin weiss es als Erste und bald weiht sie auch ihre Freundin und einen Freund und pensionierten Polizisten ein, dass die drei äusserst sympathischen Männer grosses vorhätten. Die Männer wollen ein Grossausbauprojekt für Reckenstein umsetzten, eine Siedlung in den Wald hinein gebaut, natürliche Holzbauten in die Höhe gebaut, um möglichst wenig Waldfläche zu verlieren. Zudem ist das Projekt absolut ökologisch. Im Architekturbüro wird immer bis tief in die Nacht hinein gearbeitet und was dann zuerst den Politikern und dann der gesamten Bevölkerung vorgestellt wird, hat Hand und Fuss. Reckenstein wäre in der Schweiz, ja über die Landesgrenzen hinaus, sicherlich ein wegweisendes Beispiel für anderes Bauen. Es würde der Stadt Ruhm, Prestige und auch wirtschaftliche Vorteile bringen dieses Wunderprojekt. Die Tourismusdirektorin kann sich der Euphorie, welcher die ganze Stadt erlegen ist, auch nicht entziehen, nur manchmal verspürt sie ein leises Unbehagen, aber schliesslich hat sie ein kleines, geheimes Team zusammengestellt, welches die Fremde, welche die Stadt so erobern, auf Herz und Nieren prüft. Es scheint trotz einiger Ungereimtheiten und Jugendsünden im Leben der Architekten alles mit rechten Dingen zu und herzugehen. Das Projekt ist fantastisch, wegweisend, zu schön um wahr zu sein?

Eduard Häfliger / Es fing doch so gut an

Fazit: Zu schön, um wahr zu sein!
Eduard Häfligers erster Roman überzeugt in solchem Masse, dass man selber in Euphorie gerät beim Lesen, sich Reckenstein mit seiner Waldsiedlung vorstellt und beim Lesen tatsächlich hofft, es möge doch gut kommen. Ganz besonders gefallen hat mir dann auch die Ambivalenz im Herzen und Wesen der drei Männer, welche da diese Stadt erobern. Dieser Roman, fast Krimi oder Schelmenroman, hat mich an meinen Liebling Dürrenmatt erinnert, besonders an den Besuch der alten Dame. Die Ränkespiele der Politiker, das Umgarnen der Bevölkerung, Häfliger versteht viel von den Menschen! Ein Kleinod dieses Buch! Ein wahrer Geheimtipp!

Meine Wertung: 8/10

Eduard Häfliger / Es fing doch so gut an – Trau, schau, wem
Verlag: tredition, Seiten: 172

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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