Eli Gottlieb / Best Boy

by Manuela Hofstätter on 7. März 2016

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Todd Aron ist Autist, er hat dieses Wort im Internet eingegeben, aber inzwischen ist ihm das Netz zu schnell geworden, er versteht ohnehin nicht genau, was das bedeutet. Er ist Mitte 40 und lebt in einer Blockhütte in einer Pflegeeinrichtung, er mag seinen neuen Zimmergenossen nicht sehr und regelrechte Panik überfällt ihn, wenn er an den neuen Pfleger Mike denkt, dieser jagt ihm richtig Angst und Unbehagen ein. Mike seinerseits versucht, sich als besten Freund an Todd heranzumachen, aber Todds Abneigung wird immer schlimmer. Eigentlich ist er glücklich hier und seit Jahren gut aufgehoben, hat nie Scherereien gemacht und ist darum ein “Best Boy” für alle. Seine Lieblingspflegerin Raykene sagt es ihm fast jeden Tag, er sei ein geliebter Junge gewesen und nun ein allseits geliebter Mann geworden. Ab und zu bekommt er Besuch von seinem Bruder, es ist immer schön, sie gehen dann gemeinsam Essen und der Bruder spricht immer darüber, dass Todd bald nach Hause zurückkehren dürfe. Das Haus seiner Kindheit, das möchte Todd schon gerne sehen, dort würde er noch lieber wohnen, doch die Erinnerungen an seine Kindheit sind auch gefährlich. Denkt er an seinen Vater, sind das Erinnerungen an Schmerz, gefährliche Erinnerungen, solche, die in Todd einen Anfall auslösen können. Die Erinnerungen an den Bruder sind auch nicht wirklich gut, aber die Gedanken an seine Mutter, die machen ihn glücklich. Plötzlich taucht Martine auf, eine neue Bewohnerin und Todd ist hingerissen von ihr. Martine erzählt, wie viele Institutionen sie schon hinter sich hat, und stiftet Todd zu Sachen an, die er in seinem ganzen Leben nie getan hat. Doch dann passieren traurige Dinge und Todd kann mit seiner Angst fast nicht mehr umgehen und erhält plötzlich die Nachricht, er dürfe nach Hause reisen. Todds Bruder, dessen Frau und deren zwei Söhne samt Hund empfangen ihn feierlich und Todd ist glücklich. Aber es ist alles nicht mehr wie früher und Todd hat Angst vor dem Hund, es ist sehr anstrengend für ihn, diese neue Situation. Doch dann findet er am Ort seiner Kindertage einen Schatz und diesen kann ihm niemand jemals wegnehmen und Todd ist einfach nur wieder glücklich!

Eli Gottlieb / Best Boy

Fazit: Vom Willen glücklich zu sein!
Dieser Roman besticht durch seine klare Sprache und sein Einfühlungsvermögen in die Welt des Autisten Todd Aron, aber auch mit der klaren Botschaft, dass eigentlich jeder Mensch eine Fähigkeit besitzt, zum glücklich sein können. Wie komplex das Thema Kindheit und Familie auch immer sein mag, es gibt immer verschiedene Sichtweisen. Manchmal sind es gerade Menschen mit einer speziellen Begabung, Menschen, die man als Behinderte bezeichnet, die eine viel grössere Herzens- und Lebensweisheit besitzen als wir Möchtegernnormalos. Ein berührendes Buch in einer glasklaren, schönen Sprache!

Meine Wertung: 8/10

Eli Gottlieb / Best Boy
Verlag: C. H. Beck, Seiten: 253

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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