Eric Berg / Das Nebelhaus

by Manuela Hofstätter on 30. September 2013

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Dora Kagel ist Journalistin, spezialisiert auf Verbrechen, darum hat sie wohl auch den Auftrag bekommen, über die Tragödie, welche sich vor zwei Jahren auf der Ostseeinsel Hiddensee zugetragen hat, einen Artikel zu schreiben. Drei Tote forderte die “Blutnacht von Hiddensee”, der mutmasslichen Täterin konnte noch kein Prozess gemacht werden, denn Leonie Korn, ihr Name dürfte so vielen unliebsam im Kopf geblieben sein, liegt im Koma. Dora Kagel hat zuerst alle Mühe, den Artikel zu diesem tragischen Fall zu schreiben, doch dann will die Mutter von Leonie unbedingt, dass sie die Tochter besuchen kommt. Die Komapatientin zu besuchen dürfen, dies ist allein schon speziell, doch das Flehen von Leonies Mutter, doch bitte an die Unschuld ihrer Tochter zu glauben, das ist dann doch ein bisschen viel verlangt. Aber Dora ist jetzt mit Eifer mitten drin in dem Fall und ahnt nicht, wie nahe ihr dieser noch gehen wird.

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Zwei Jahre zuvor: Philipp ist ganz aufgekratzt, seine Idee, seine alten Jugendfreunde einzuladen, um gemeinsam ein verlängertes Wochenende auf der Insel zu verbringen, ist aber wirklich nicht schlecht. Was waren sie für eine verschworene Truppe, eingestanden sind sie für die Umwelt und so manche Ideale, doch dann haben sie sich aus den Augen verloren, unglaublich eigentlich. Philipp ist Architekt geworden, er ist zufrieden, ja stolz auf seine Villa, seine Frau und seine Tochter. Was mag wohl aus den anderen geworden sein? Timo ist Autor geworden, doch seine Bücher verkaufen sich mit mässigem Erfolg. Leonie ist Erzieherin, und dass sie ihre Stelle im Kindergarten soeben verloren hat, dies verschweigt sie allen. Ja und Yasmin, sie ist eigentlich geblieben, wie sie war. Etwas abgehoben, arbeitslos, im Park sitzend mit anderen philosophierend. Die Freunde haben sich verändert, und sogleich herrschen unangenehme Spannungen zwischen ihnen, welche rasch zum ersten Streit führen. Philipp, der grosse Gastgeber, sogar mit kambodschanischer Haushälterin, wünscht sich bald, er hätte diese Einladung nie ausgesprochen.

Fazit: Faszinierend und atemberaubend spannend! Was für ein Krimi!
Dieser Kriminalroman ist absolut einzigartig konstruiert. Noch selten las ich mit einer derartigen Faszination einen Krimi. Alle Personen haben ihre Geschichte und jede Einzelne davon hätte bei allen beteiligten das Potenzial für einen Aussetzer. Beim Lesen macht man sich unzählige Gedanken, die Geschichte steigert sich in eine grandiose Dramatik, und wenn man meint, nun endlich zu wissen, was Sache ist, kommt es eben doch erneut ganz anders. Ein unglaublich interessantes Buch, Lesegenuss pur!

Meine Wertung: 9/10

Eric Berg / Das Nebelhaus
Verlag: Limes, Seiten: 410

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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