Eric-Emmanuel Schmitt / Die Frau im Spiegel

by Manuela Hofstätter on 2. Februar 2013

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Drei eigentlich unterschiedliche Frauen, in verschiedenen Lebensabschnitten und Jahrhunderten prägen jede auf eine ureigene Art ihre Epochen. Anne aus Flandern, welche das Glück einen Ehemann gefunden zu haben ausschlägt und flüchtet, in der Natur Frieden findet und dann gar als heilige Frau von Brügge bezeichnet wird, weil sie den Wolf aus Brügge davon abhalten kann, sich Menschenfleisch zu holen. Später findet Anne in ihrer tiefen Spiritualität Freunde, welche in ihr eine wahre Gläubige erkennen, aber ihr Schicksal ist es wohl ihrer Zeit voraus zu sein und die Kirche sieht in ihr eine Gefahr, ihr Leben endet in den Flammen. Hanna lebt in Wien in einer gar luxuriösen Welt, einen schönen und feinfühligen Mann an ihrer Seite, keinerlei Geldsorgen und eine durchaus lebenslustige Verwandtschaft, dies könnte ihr Paradies sein. Doch Hanna leidet an etwas tief in ihr Verborgenem, zuerst ist ihr das Mutterglück verwehrt und später erklären ihr die Psychoanalytiker ihrer Zeit, dass sie diese Rolle auf keinen Fall einnehmen wolle. Was will sie denn, dies fragt sich Hanna oft, doch dann bricht sie aus und führt ein wildes freies, ein sexuell abwechslungsreiches Leben, welches ihr eine nie gekannte Kraft verleiht, aber hat sie nun gefunden, was sie wirklich gesucht hat? Anny hat es mit ihrem neusten Film geschafft, sie ist die gefragteste Schauspielerin weit und breit, aber der Zusammenbruch holt sie fast zeitgleich ein. Drogen, Alkohol, Sex, Besinnungs- und Sinnlosigkeit gehören zu Anny’s Alltag. Doch hinter Anny’s wirklich betörend schönem Gesicht befindet sich eigentlich ein ebenso feiner Mensch. Anny versucht ihrem Alltag davon zu laufen, bloss hat sie bislang den falschen Weg gewählt.

Fazit: Drei Frauen, drei Epochen, drei Wege zum selbstbestimmten Leben!
Drei Frauenleben, unterschiedlich schon dadurch, dass sie zeitlich weit auseinanderliegen und doch ist da ein feiner, aber starker Faden durch die Epochen deutlich fühlbar. Alle Frauen müssen ihren Weg finden und erkennen, dass selbst wenn sie wissen, sie sind irgendwie anders sind, es doch noch ein weiter Weg ist, zu sich selbst finden zu können. Aber diese Befreiung, welche dann erfahren wird, die ist grandios! Ein berührendes, ein anregendes und zugleich kunstvolles Buch über die Kraft des eigenen Willens und das Glück eines selbstbestimmten Lebens!

Meine Wertung: 8/10

Eric-Emmanuel Schmitt / Die Frau im Spiegel
Verlag: Fischer, Seiten: 431

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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