Esther Pauchard / Tödliche Praxis

by Manuela Hofstätter on 12. November 2016

Post image for Esther Pauchard / Tödliche Praxis

Melissa Braun arbeitet erst ein paar Monate in Bern in einer Gemeinschaftspraxis beim Hausarzt Franz Wasem, sie liebt ihren Beruf als Praxisassistentin und mag die Menschen. Ihr Chef aber ist wirklich ein harter Brocken, ein Choleriker und Pedant, er legt sich dauernd mit Leuten an, Melissa hat am Abend einen grossen Streit mit ihm gehabt, nicht den Ersten. Doch als Melissa am nächsten Tag die Praxisräume betritt, findet sie Wasem erschossen neben seiner Waffe in einer Blutlache am Boden liegend vor und ist schockiert. Die Polizei, das merkt Melissa bald, verdächtigt natürlich auch sie, zudem hat die Kollegin des anderen Arztes sofort den Beamten vom lautstarken Streit zwischen Melissa und Wasem erzählt. Melissa durchlebt grauenvolle Stunden, ja ihr Chef war kein einfacher Mensch, aber ein richtig guter Arzt, und sie kann nicht fassen, dass Wasem erschossen worden ist. Wasem hatte Streit mit Leuten von der Röntgenklinik, mit Patienten und vielen anderen auch, es gibt sehr viele Verdächtige, aber Melissa will selber aktiv werden und hört sich um, um ihre Unschuld schnell beweisen zu können. Bald ist Melissa klar, der Täter hat es offenbar auch auf sie abgesehen, nur knapp entgeht sie Angriffen und dies auch nur, weil ihr beim ersten Mal ein Mann beherzt zur Hilfe geeilt ist. Paul Kempf ist ein muskulöser, sehr disziplinierter Mann, kein Wunder, er ist ein Sensei und hat früher mal eine Karateschule geleitet. Paul beschützt Melissa, so gut er kann, das gehört zu seiner Lebensphilosophie und er hat zudem etwas erlebt, was er schlecht verkraftet hat und nun sieht er seine Chance, etwas Gutes zu tun. So wird Paul ein neuer Bestandteil in Melissas Leben, ihre beste Freundin Nina ist hochschwanger und ist Melissa nicht mehr so nahe wie zuvor. Melissa ist eigentlich eine Frohnatur, trägt gerne kunterbunte und starke Farben, wirkt mit ihren Zöpfen noch jünger, als sie es eigentlich ist, sie wird sogar als Pauls Tochter angesehen. In der Tat sind die beiden völlig unterschiedlich, doch Melissa ist so froh, ist sie Paul begegnet, denn es geht ihr in diesem Trubel und in dieser Gefahrensituation nicht wirklich gut. Plötzlich aber hat die Polizei den Täter endlich dingfest gemacht, aber Paul und Melissa wissen, es ist noch nicht zu Ende, in der Bergwelt holt sie die brutale Realität allzu schnell wieder ein. Auch der Polizei wird klar, diese Geschichte ist noch nicht ausgestanden und Paul und Melissa wundern sich, woher der Bösewicht immer ganz genau weiss, wo Melissa sich befindet. Schliesslich kommt es zu einem wahren Showdown und dies an den schönen Ufern des Thunersees, rund um den Deltapark und an Einigen vorbei, scheint sich die Sache in Spiez endlich ganz zu klären, aber es bleibt kriminell gefährlich und famos spannend.

Esther Pauchard / Tödliche Praxis

Fazit: Melissa, die chaotische Frohnatur und der stille Sensei Paul!
Mit diesen beiden so unterschiedlichen Protagonisten durchleben wir einen ungemein spannenden Krimi rund um den ermordeten, streitbaren Hausarzt Franz Wasem. Es gibt so viele Verdächtige, so auch die drogensüchtigen Patienten, die Wasem betreut hat, doch dies ist ein Krimi, der uns in die Cyberkriminalität mitnimmt und aufzeigt, wie total überwacht wir heute doch leben. Melissa wächst einem im Nu ans Herz und die Lebensphilosophie des Sensei und der Karatekampfkunst wird uns aufs Eindrücklichste näher gebracht. Aber auch die anderen Charaktere gehen unter die Haut, so auch der Polizist Gerber mit seiner Arbeit. Natürlich bin ich auch hocherfreut über die wunderschönen Schauplätze im Buch. In der Stadt Bern, am Thunersee und sogar in meinem Dorf Einigen. Esther Pauchard ist längst ein fester Bestandteil in der Schweizer Krimiszene, als ich ihr Buch vorgestern im Raum Zürich vorgestellt habe, stellte sich heraus, auch hier kennt man sie. Auf meine Frage, wie die Fans auf Pauchard gekommen sind, ist Folgendes zu vernehmen: “Weil sie einfach verdammt gute Krimis schreibt!” Das ist haargenau so und ich bin froh, fand ich endlich die Zeit, diese grossartige Autorin auch lesen zu können. Ich freue mich auf weiteren Stoff von ihr!

Meine Wertung: 8/10

Esther Pauchard / Tödliche Praxis
Verlag: Lokwort, Seiten: 343

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
There are no images.
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment