Eva Baronsky / Magnolienschlaf

by Manuela Hofstätter on 28. Februar 2011

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Jelisaweta ist 23 Jahre alt und unterwegs von Russland nach Frankfurt, um dort einige Wochen eine alte Frau zu pflegen. Im Heim pflegt sie ganz viele Alte für weitaus weniger Geld, darum nimmt sie diese lange Reise auf sich und freut sich gar auch auf die fremde Grossstadt. Einmal nicht unter Mutters Aufsicht stehen, alleine dies ist für Jelisaweta das Kostbarste an dieser Unternehmung. Als sie todmüde ankommt und weder etwas zu Essen noch zu Trinken, geschweige denn eine Pause zugewiesen bekommt, merkt sie, wie abgeklärt und kalt die Verwandten der alten Wilhelmine doch sind. Aber die alte Dame, die scheint völlig genügsam und freundlich zu sein, da ist sich die junge Russin sonst ja ganz anderes gewöhnt, es sollen schöne Wochen werden. Aber die Tatsache, dass das kleine Haus der Alten leider gar nicht in der Stadt steht, trübt Jelisawetas gute Stimmung. Wilhelmine Hennemann ist vorerst völlig glücklich mit Jelisaweta, so freundlich ist diese junge Frau, so schön behandelt wurde sie noch selten, da schwindet die Scham und die Angst vor dem Älter werden gleich ein gutes Stück. Aber ganz jäh ist der Abbruch des liebevollen Umgangs zwischen den beiden Frauen hereingebrochen, als Wilhelmine hört, dass die Andere Russisch spricht am Telefon. Von da an herrscht Krieg im kleinen Haus, denn genau dieser, hat die alte Dame eingeholt und sie fällt in die schrecklichste Zeit ihres Lebens zurück, den Russenfeind, den hasst sie bis heute und dieser Hass entlädt sich auf Jelisaweta. Die junge Frau weiss nicht wie ihr geschieht, als sie das erste Mal völlig unvorhersehbar attackiert wird von der Alten, aber Jelisaweta versteht es meisterlich sich zu wehren. Jelisaweta trägt auch ihre Geschichte in sich und es scheint keinen Ausweg zu geben für die beiden doch gar nicht so ungleichen Frauen und deren alten Hass auf ihre Vergangenheit und Geschichte.

Fazit
Ein beeindruckendes Buch, sensibel führt es uns an das Thema Alter heran, und welche Nöte sich dem alternden Menschen eröffnen. Doch dies ist nicht das grosse Thema des Buches, es geht vielmehr um die Tragödie der deutschen und russischen Zusammenpralle des Krieges. Vergangenheitsbewältigung, Schuldfrage, das sind die grossen Themen zwischen der alten und der jungen Frau in diesem Roman, welcher unter die Haut geht und nicht so schnell vergessen wird.

Meine Wertung: 8/10

Eva Baronsky / Magnolienschlaf
Verlag: Aufbau, Seiten: 185

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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{ 2 comments… read them below or add one }

1 Mariki Mai 12, 2011 um 19:17

Ich habe das Buch schon seit einer Weile auf meiner Wunschliste und freue mich schon sehr auf die Lektüre!

2 lesefieber Mai 12, 2011 um 21:39

hallo mariki! ja, darauf kannst du dich wirklich freuen! danke für die verlinkung in deinem wirklich sehr schönen blog, habe dich auch gleich in meine blogroll aufgenommen :-) lg, manu

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