Eva Lohmann / Acht Wochen verrückt

by Manuela Hofstätter on 19. Juni 2011

Post image for Eva Lohmann / Acht Wochen verrückt

Einlieferung in eine Psychosomatische Klinik an einem Donnerstag. So stellt Mila ernüchtert fest, wo sie ist. Keine dreissig Jahre alt, einen lieben Freund an ihrer Seite und einen guten Job kann sie vorweisen, ist es da wohl nicht ein bisschen bescheuert, dass Mila eine Depression bekommen hat? Sie hat nur noch geheult und die Traurigkeit und Müdigkeit wurden in ihrem Leben einfach übermächtig. Jetzt hier in der Klinik, hat Mila zwar Angst, vor allem was da kommen wird, aber sie ist auch erleichtert zu wissen, dass sie krank ist, dass jetzt gehandelt wird und sie einfach mal keinen Druck hat, irgendetwas tun zu müssen. Mit den anderen «Verrückten» auf der Wiese liegen und grundehrlich seine Not austauschen, ist ja eh klar, dass hier jeder einen Schuss hat, verstecken ist nicht nötig. Besonders spassig findet Mila auch immer zu beobachten, wie Passanten reagieren, wenn sie die «Verrückten» sehen: Ihre Neugierde ist da, ihr Blick spiegelt Abscheu, Angst und Belustigung. Mila teil ihr Zimmer mit einer jungen Frau, sie ist so dünn, dass keiner fragen muss, warum sie in der Klinik ist. Niemals hätte Mila gedacht, dass sie so schnell Freunde finden könnte, und bald hat sie ihre Clique aufgebaut und fühlt sich recht wohl dabei. Medikamente muss sie nehmen, und ja, diese haben Nebenwirkungen, aber dann geht es Mila doch plötzlich besser, sie muss zwar immer noch häufig weinen, aber plötzlich kann sie einen ungeheuer wichtigen Schritt machen und kündigt ihre Stelle. Als Milas Freund sie besuchen kommt, streiten sie sich, er kann schlecht umgehen mit der Situation, die Freundin in der Klapse, wer findet das schon toll. Auch Milas Eltern müssen sich der Situation stellen, keine leichte Aufgabe für alle Beteiligten.

Fazit: Wer ist hier wohl verrückt und wer nicht?
Ein grundehrlicher, oft auch komischer Roman über den Alltag in einer Klinik voller Menschen mit psychosomatischen Krankheiten. Die Welt der «Verrückten» ist faszinierend und man fragt sich wirklich, ob man auch ein wenig verrückt ist, oder ob nicht unsere Gesellschaft viel kränker ist, als die «Spinner», welche an den Rand gedrängt oder weggesperrt werden. Spannend zu lesen, wohltuend und lehrreich für die eigene Toleranz gegenüber Mitmenschen.

Meine Wertung: 7/10

Eva Lohmann / Acht Wochen verrückt
Verlag: Piper, Seiten: 194

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
There are no images.
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment