Evelyna Kottmann / Kreuz Teufels Luder

by Manuela Hofstätter on 20. August 2015

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Die kleine Louisa hat das Pech, eines von zahlreichen armen Kindern einer ausgestossenen Fahrenden zu sein, ihre Mutter wird zu einer sich prostituierenden Vagantin und reisst auch ihre Kinder in dieses Milieu. Der Vater, wenn er dies überhaupt ist, versucht Abstand zu nehmen, lässt sich scheiden und kann dadurch die Kinder ab und zu sehen im Heim oder auf einen Ausflug mitnehmen. Ja, Louisa ist nun im Heim, streng geführt von den heiligen Schwestern, sie darf nicht mehr Louisa sein, nein, sie heisst nun Rita und muss auch ihre Geschwister anders nennen. Doch in Louisa steckt eine schier unglaubliche Kraft, so wie bereits die Mutter sie misshandelte, erleidet sie im Heim genau solche Übergriffe. Schwester Andrusia, welche Rita den Teufel austreiben will, treibt es selber immer derart unmenschlich auf die Spitze, wir können diese realen Textausschnitte, aus dem Arbeitsjournal der Nonne fast nicht ertragen. Louisas Erzählung vervollständigt das wahre Bild des Schreckens! Doch dieses Mädchen ist gut in der Schule, der Lehrer zeichnet ein ganz anderes Bild, die Nonne kann nicht verhindern, dass Louisa die Schullaufbahn ruiniert wird, sogar ein unabhängiger Intelligenztest beweist eindeutig, was in Louisa steckt. Sie kämpft mit ihrem wachen Kopf gegen ihre Zerstörung an, die Literatur kommt ihr zu Hilfe, in der Sprache Antigones findet sie gar ein wenig Schutz und immer wieder sind es auch ein paar wenige Menschen, die helfend Louisas Weg kreuzen.

Evelyna Kottmann / Kreuz Teufels Luder

Fazit: Gegen das Vergessen – ein Buch für die Opfer
Evelyna Kottmann selbst sagt, das Wort “Wiedergutmachung” sei ihr ein Gräuel, von Schmerzensgeld dürfe man reden, wenn jetzt auf politischer Ebene Entscheide gefällt werden zu diesen Themen der Vergangenheit so vieler Kinderschicksale in der Schweiz. Dieses Buch liest man nicht zur Freude, man liest es, weil man auch einen nichtigen Teil gegen das Vergessen leisten will, weil man wachsam sein und aufpassen will, was rund herum auch heute noch passiert. Die Autorin erzählt ein Stück weit ihre eigene Geschichte und die Journaleinträge der Nonne (Name geändert) sind echt. Ein erschütterndes Buch, aber ein wichtiges, ich bewundere den Mut und die Kraft dieser Autorin.

Meine Wertung: 8/10

Evelyna Kottmann / Kreuz Teufels Luder
Verlag: Limmat, Seiten: 384

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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