Florian Beckerhoff / Herr Haiduks Laden der Wünsche

by Manuela Hofstätter on 24. Januar 2018

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Herr Haiduk liebt seinen kleinen, vollgestopften Laden sowie seine Strasse, zu welcher dieser gehört. Gemeinsam mit seinem Gehilfen Adamo erfüllt der in die Jahre gekommene Herr die Wünsche seiner treuen Kundschaft. Es gibt fast alles in Haiduks vollgestopftem Laden. Schokolade, Kaugummi, Zeitungen, Kaffee, Lottoscheine und Geschichten. Doch dann kommt eines Tages eine neue Kundin dazu, die scheue, junge Alma, sie sitzt einfach stundenlang im Laden und liest die Klatschzeitschriften mit einer rührenden Ernsthaftigkeit. Am Schluss kauft sie jeweils eine der Zeitschriften und Kaugummis, sie spricht nie, sodass Haiduk und Adamo schon denken, sie könne dies gar nicht. Doch dann spricht sie mit Haiduk, in heller Aufregung, denn sie hat in der Strasse am Boden ein Lotto Los gefunden, ein zerknülltes und zudem aussergewöhnliches, dasjenige mit den Zahlen inklusive richtiger Zusatzzahl, welches den Jackpot geknackt hat und dessen Besitzer 13 Millionen Euro gewonnen hätte, wenn er sich denn melden würde. Herr Haiduk staunt ebenso über Almas Stimme wie auch über das Los, welches sich tatsächlich als das Gewinnerlos herausstellt und welches zudem an einem Mittwoch in seinem Laden herausgegeben wurde. Alma hängt überall Zettel auf mit der Botschaft, sie habe dieses Gewinnerlos gefunden und der Besitzer möge sich bei ihr melden. Voller Schrecken eilt Haiduk hinter diesen Zetteln her und reisst sie wieder ab, er sieht es als seine Pflicht an, diese junge Frau vor der Gier der Menschen zu bewahren. Aber Alma will den Losbesitzer finden und so einigen sie sich auf eine Lösung, die es dem alten Herrn ermöglicht, die junge Frau zu beschützen, so wünscht er sich dies zumindest. Natürlich melden fast alle aus der Strasse dieses Los als das ihrige an, ein Journalist hat ebenfalls Wind von der Sache bekommen und somit stehen bald jede Menge Leute von nah und fern im Laden. Sie bekommen einen Gesprächstermin bei Alma, welche fest davon überzeugt ist, die Lügner entlarven zu können. In der Tat verlaufen die Gespräche ganz und gar erstaunlich, aber die Dinge geraten dennoch ganz und gar durcheinander. Es ist wieder Alltag eingekehrt in Haiduks Laden, aber wie ist die Geschichte damals ausgegangen? Erst als ein Schriftsteller, welcher nicht mehr schreibt in seine alte Heimat Berlin zurückkehrt und sich erfreut in Haiduks Laden begibt, der immer noch fast derselbe ist, da erfahren wir die ganze Geschichte. Haiduk erkennt den Schriftsteller auf Anhieb und er bietet ihm eine Geschichte an, die Geschichte von Alma und dem Lottogewinn. Der Schriftsteller hört gebannt zu und er beginnt, alles zu notieren, ja, plötzlich weiss er wieder, dass er schreiben will. Erfahren wir nun endlich alles und noch ein bisschen mehr?

Fazit: Ein Lottogewinn oder die Frage nach dem Glück.
Ich bin gerne in Herrn Haiduks Laden abgetaucht, so ganz herrlich dem Alltag entkommen und mit Staunen einer Geschichte gelauscht, die Glücksmomente herbeizaubert. Alma, welche sich fragt, ob denn ein Mensch überhaupt so viel Geld auf einen Schlag ertragen kann oder ob das doch eher sehr unglücklich machen kann, sie ist eine feine Figur im Roman. Das Glück findet sich denn auch ganz woanders, im kleinen Laden und dessen Hinterhof, wenn von Herr Haiduk ein Tee gereicht wird, wenn sich die Menschen zuhören und wenn der Friedhofsgärtner den Toten Geige vorspielt.

Meine Wertung: 7/10

Florian Beckerhoff / Herr Haiduks Laden der Wünsche
Verlag: HarperCollins, Seiten: 254

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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