Flurin Jecker / Lanz

by Manuela Hofstätter on 2. Mai 2017

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Ein ländlicher Ort nahe von Bern in der Schweiz ist es, in welchem Lanz mit seinen vierzehn Jahren versucht, den Alltag als Teenager zu bewältigen. Seine Mutter arbeitet im Spital und ist oft nicht anwesend, der Vater lebt von ihr getrennt in einer anderen Wohnung, Lanz pendelt, das ist oft ermüdend. Jetzt steht in der Schule eine Projektwoche bevor und danach beginnen die Frühlingsferien. Lanz hat sich in Lynn verguckt, einzig darum wählt er den Kurs “Ich schreibe einen Blog”, ausgerechnet bei seinem verhassten Klassenlehrer Gilgen. Der erste Projekttag ist ein Desaster, Gilgen nervt, hässliche Mädchen schreiben Lanz an und Lynn ist gar nicht da! Lanz beginnt zu schreiben und merkt gar nicht mehr, wie viel und wie lange er einfach drauflosschreibt, das Schreiben macht ihm Spass. Lanz schreibt sich alles von der Seele, auch vor der Tatsache, dass er wohl der einzige vierzehnjährige Junge ist, der noch keinen richtigen Sex hatte, macht er nicht Halt. Natürlich weiss das keiner und das soll auch so bleiben. Über seine Langweile schreibt er auch, der Lanz, über seine kuriosen Nachtspaziergänge und den Schiss, welchen er nachts empfindet, etwa im Wald. Das Kiffen entspannt, aber Lanz tut oft Dinge und fragt sich dann, wie dumm man wohl sein muss, diese zu tun. Am nächsten Tag ist Lynn zum Glück da, er hat sie auf Facebook gesucht, aber einfach nicht gefunden, er möchte ein Date mit ihr klar machen, aber das ist nicht einfach, einfach gar nicht einfach. Das Schlimmste aber ist der idiotische Gilgonator, denn dieser nervt ganz gewaltig, jetzt ist er gänzlich ausgerastet und hat Lanz klar gemacht, dass er morgen aus seinem Blog etwas wird vorlesen müssen, so wie alle anderen auch, schliesslich sei das der Sinn eines Blogs, dass andere ihn auch vernehmen können. “Ihr seid ja so aufgewachsen, dass ihr immer alles postet!”, hat der Lehrer ausser sich geschrien und Lanz weiss, er wird nicht vorlesen, morgen nicht, gar nie, Lanz haut ab. Seiner Mutter hat er glücklicherweise nicht gesagt, dass er nicht beim Vater übernachten wird, da dieser mit seiner Flamme verreist ist, so wird die ersten zwei Tage niemand merken, dass Lanz verschwunden ist. In die Bergwelt des Kanton Graubünden entflieht Lanz, dort war er schon oft, dort gibt es einen Jungen und ein Mädchen, die er Kumpels nennen mag. Niemand fragt sich, warum er auftaucht, der Lanz ist halt wieder da in den Ferien. Lanz hilft am steilen Hang die Erdhügel der Maulwürfe wieder plattzumachen, sitzt auf der toten Kuh, die hat abgetan werden müssen, weil sie ihr Bein gebrochen hat, und rettet sich mit Gian und Ciara in ein Maiensäss, um den Hagel zu entkommen. Es ist herrlich in Clavau, Lanz prügelt sich mit Gian und freut sich, dass seine Mutter ihn besuchen kommt und er weiss, die Ferien gehen zu Ende. Die Schule wird wieder starten, aber er rechnet sich gelassen die Lektionen aus, welche er noch bei Gilgen wird absitzen müssen und das Leben geht weiter.

Fazit: Über diese Generation, die jeden Scheiss postet, wie sie liebt, lebt und überlebt!
Flurin Jecker ist zurzeit gerade so ein Wunder in der Schweizer Literaturszene, ich finde den Beitrag des Schweizer Fernsehens in der Sendung 10vor10 eher erstaunlich übertrieben, was die Vergleiche angeht. Aber der Flurin Jecker, der gefällt mir doch gut, denn er will schreiben um des Schreibens willen und er gibt auch etwas zerknirscht zu, dass er den Stoff, den Flow für seinen nächsten Roman, noch nicht gefunden hat. Ein ehrlicher, sympathischer Kerl. Ich würde Flurin Jecker niemals mit Dürrenmatt und Konsorten vergleichen, er stellt aber eine eigene Sprache für eine Generation dar, über die ich gerne etwas lesen mag. Der Roman “Lanz” hat eine eigene von der Schweizer Mundart und der Jugendsprache gefärbte Sprache, ist zuweilen frech bis komisch und die Figur Lanz berichtet doch von einer gewissen Sehnsucht dieser Generation, einer Generation, die es nicht einfach hat und die in der Anspruchslosigkeit der Natur ein wenig zur Ruhe kommen kann. Ein Leseerlebnis, das überrascht!

Meine Wertung: 8/10

Flurin Jecker / Lanz
Verlag: Nagel & Kimche, Seiten: 125


https://www.srf.ch/play/tv/10vor10/video/literarischer-rotzloeffel—flurin-jecker-mischt-das-feuilleton-auf

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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{ 1 comment… read it below or add one }

1 nathan November 9, 2017 um 17:05 Uhr

sehr gutes Buch

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