Frank Köhnlein / Vollopfer

by Manuela Hofstätter on 6. Mai 2014

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Dem Heimleiter Wieland steht die Farbe Hummerrot nicht und es war auf jeden Fall kein der Gesundheit einträglicher Saunaaufenthalt, welchen er im Keller des Heimes verbracht hat. Bewusstlos und verletzt wird er ins Spital eingeliefert. Wie die Flusssäure auf empfindliche Körperteile des Herrn Wieland gelangte und warum seine Arme aufgeschnitten sind, dies sind weitere interessante Fragen, welche sich nicht nur Kommissar Poltrone stellt, sondern auch der im Heim angestellte Jugendpsychiater Dr. Paul Hepp. Hepp nämlich hat da so Kids unter seinen Patienten, welche durch die gegebene Sachlage in Schieflage gelangen könnten. Noel, der unter einer Art autistischen Störung leidet und in seinem Zimmer gerne alte Fahrplanbücher und Chemikalien hortet, darunter eben genau auch Flusssäure, für ihn dürfte Poltrone ein neuer Ansprechpartner werden. Aber Ansprechpartner ist wohl das falsche Wort, denn mit Noel kann man eigentlich kein Gespräch führen. Gar nicht mehr sprechen tut Jelena, sollte sie verhört werden, dürfte das eine sicherlich einseitige Angelegenheit sein. Ja und Yasmin, die hat eben noch weinend vor Hepp gesessen und hat sich wieder tiefe Gräben in die Unterarme geritzt. Hepp wird klar, die Polizei setzt gewisse Hoffnungen in ihn, aber natürlich haben die keine Ahnung, was es heisst, Jugendpsychiater zu sein. Dabei ist es nicht so, dass der Hepp ein schlechter Psychiater wäre, im Gegenteil, man schätzt ihn sehr. Doch Hepp ist eben auch nur Hepp und manchmal ist er nicht der Schnellste im Denken und im Handeln. Aber Hepp mag seine Kinder wirklich und darum bemüht er sich auch anständig, Licht in die Sache zu bringen und glaubt nicht an die Schuld seiner Schützlinge.

Frank Köhnlein / Vollopfer

Fazit: Schräg, schräger, Hepp!
Der Ton, der Schreibstil dieses Romanes ist wirklich einzigartig schräg, heppschräg! Ironisch, oft zynisch und voll von Andeutungen, lesen wir atemlos, gewöhnen uns an diese Sprache, lachen und merken am Schluss, dass eigentlich alles zum Heulen ist. Der Autor selbst ist natürlich höchstpersönlich vom Fach, er ist Psychiater, heute unter anderem spezialisiert auf Kinderschutz und Störungen der Jugendlichen. Ein ganz aussergewöhnliches Buch zu einem zugleich wichtigen Thema, aber lese man selbst!

Meine Wertung: 8/10

Frank Köhnlein / Vollopfer – Ein Hepp-Roman
Verlag: Wörterseh, Seiten: 190

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