Franziska Rogger / Marthe Gosteli

by Manuela Hofstätter on 18. September 2017

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Nein, keinen akademischen Hintergrund hat Marthe Gosteli gehabt, sie erblickte das Licht der Welt 1917 auf dem Bauerngut Altikofen in Worblaufen bei Bern. Doch bereits Marthes Mutter war ein starkes Frauenzimmer und lehnte sich deutlich auf, als sie zum Beispiel das Unrecht erfuhr, ihr eigenes Geld nicht ohne Einwilligung ihres Ehemannes von ihrem Bankkonto beziehen zu können. Marthes Umfeld war geprägt von starken Frauen, auch ihre Lehrerinnen waren bekennende Kämpferinnen für die Gleichberechtigung der Frauen. Marthe mochte nicht gerne Stricken, es wurde ihr oft erlassen, viel lieber stieg sie, wenn wir von ihrer Freizeit berichten wollen, auf ein Pferd. Später war sie eine Wegbereiterin und Pionierin in dem so wichtigen therapeutischen Reitunterricht. So ging Marthe ihren Lebensweg im Dienste der Frauen und der Menschenrechte in der Schweiz, nie hat sie sich für eine Ehe oder eine Mutterschaft entschieden, ihr Weg war ein anderer. Der 7. Dezember 1947 war ein bewegender Moment für die schweizerische Frauenbewegung, die US-Menschenrechtlerin Eleanor Roosevelt galt als Sensation mit ihrem Auftritt hier in der Schweiz. Doch die Dienste der Frauen während wie auch nach der Kriegszeit wurden nie richtig gewürdigt und etliche Male verloren die Frauen mit ihren Anliegen bei ihren Vorstössen. Doch dann kam der 6. Mai 1963, Bundesrat F. Traugott unterzeichnete die Beitrittsurkunde der Schweiz in den Europarat, aber die daran angeknüpfte europäische Menschenrechtskonvention durfte die Schweiz erst unterschreiben, nachdem sie das Frauenstimm- und Wahlrecht eingeführt hatte. Nun hatten die Frauen ein wichtiges Druckmittel in den Händen, das Vorhaben gelang, aber den Frauen wurde erpresserisches Handeln vorgeworfen und dass sie ihre Sachen über die Menschenrechte stellen würden. Im Buch sehen wir herrliche Karikaturen aus diesen Zeiten, Fotos, Presseartikel und bewegende Bilder wie etwa der Besuch von Frauen aus China, welche die Gosteli-Stiftung besuchten im Jahre 1997. Dank Marthe Gosteli ist die Geschichte des Schaffens der Frauen der Schweiz erhalten geblieben, das Lehrmittel “Gerechtigkeit erhöht ein Volk” hat Gosteli entschlossen herausgebracht, damit an den Schulen nicht nur die männlichen Helden der Schweiz immer im Rampenlicht stehen.

Fazit: Eine unsterbliche Schweizerin, Marthe Gosteli!
Ich finde ja, dieses Buch gehört in jedes Bücherregal in der Schweiz, natürlich wissen eigentlich fast alle, wer Marthe Gosteli war und was ihr Lebenswerk in etwa beinhaltet, aber es ist sehr wertvoll, diese Frau noch einmal genauer kennenlernen zu dürfen. Ich habe in meiner Bewunderung für Marthe Gosteli tatsächlich ihr Sterben nicht präsent gehabt und kürzlich beim Schwärmen über dieses Buch den Fehler begangen ihr noch eine gute Zeit zu wünschen und eine Bibliothekarin hat mich lieb auf meinen peinlichen Fehler aufmerksam gemacht. Tatsächlich wurde wohl nicht im grossen Stil berichtet, als Marthe in Frühling verstorben ist und für mich gehört sie zu den unsterblichen Frauen der Schweiz.

Meine Wertung: 8/10

Franziska Rogger / Marthe Gosteli
Wie sie den Schweizerinnen ihre Geschichte rettete
Verlag: Stämpfli, Seiten: 195

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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