Franziska Seyboldt / Rattatatam, mein Herz

by Manuela Hofstätter on 3. April 2018

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Eigentlich soll die zwölfjährige Franziska mit ihrer Mutter beim Arzt lediglich einen Allergietest machen, doch dann kippt sie gleich zweimal in Ohnmacht. Was für die Medizin mit den Worten, dass dies während des Wachstums schon mal passieren kann, erklärt ist, beginnt für Franziska als Zwiegespräch mit der Angst, die nun ständig ihre Begleiterin ist. Doch es gibt Tage, ja Wochen, da bemerkt sie diese Begleitung nicht, dann plötzlich schlägt sie um so brutaler und ganz unverhofft wieder zu. Franziska entschliesst sich zu einer Therapie, sie will herausfinden, warum die Angst von einem Freund zum Feind geworden ist. Ein Flugzeug zu besteigen, das gehört zu den schlimmsten Dingen, die Angst freut sich enorm, doch Franziskas Freund Julian hat es geschafft, dem Traumurlaub steht fast nichts mehr im Weg. Der Flug wird eine Tortur und in den Ferien muss sich Franziska sogar hinters Steuerrad setzen, weil ihr Schatz seinen Ausweis vergessen hat. Beinahe fühlte Franziska wieder diese Unbeschwertheit und diese Freude am Fahren, wie sie sie empfunden hat, bevor sie mit dem erlangten Fahrausweis einen Unfall gebaut hatte. Auch in den Ferien gelingt es der Angst, ihr elegant wieder Panik ins Herz zu geben. Aber es gibt immer wertvolle Fortschritte, in der Therapie oder auch durch die wertvollen Worte ihrer Mutter, welche sie mahnt, sie solle doch nicht so streng zu sich sein. Tatsächlich, das innere Kind leidet, es braucht keine Sätze wie “Reiss Dich mal zusammen!” und “Stell Dich nicht so an!”. Franziska fühlt ihrem inneren Kind nach und erkennt, dass sie eigentlich das Jugendamt anrufen sollte. Der Rückflug ist dann tatsächlich ein gefährliches Erlebnis, Franziska ist sicherlich nicht die Einzige an Bord, die sich Gedanken darüber macht, was sie eigentlich noch alles hätte machen wollen in und mit ihrem Leben. Aber bald ist man wieder im Alltagstrott und vergisst wieder das Wichtige. Muss Franziska die Angst lieben lernen? Auf jeden Fall erkennt Franziska so vieles in ihrem Leben und auf manches davon ist sie beim Lesen der richtigen Bücher gekommen. Auch erkennt sie jetzt die Gründe ihrer Harmoniesucht und hält dagegen an, darüber hinaus schreibt sie gar ein Buch über ihre Angst, über Hochsensibilität und über so wichtige menschliche Regungen. Sie steht mit ihrem Namen für ihr Buch und ihr Thema hin und das ist wirklich ganz kostbar und ein Geschenk!

Fazit: Liebe Angst, du kannst mich mal, ab und zu!
Keine Angst über die Angst zu berichten hat diese wunderbare Autorin. Franziska Seyboldt hat Modejournalismus und Medienkommunikation studiert, ist Redakteurin, Autorin und Kolumnistin, eine starke Frau mit einer starken Angst in sich. Doch Frau Seyboldt berichtet ehrlich aus ihrem Leben, ihrer Not, zuweilen mit einem unverwüstlichen, feinen Humor und sie geht ihren Weg und hilft mit ihrem Buch garantiert sehr vielen Menschen. Angststörungen sind noch weitaus zahlreicher verbreitet als Depressionen, ein wichtiges Buch also! Ich habe mich so sehr erkannt in manchen Schilderungen, etwa beim Thema Lampenfieber oder aber auch bei der Angst vor dem Fliegen, es ist mir durch das Lesen dieses Buches bewusst geworden, dass ich auch Angststörungen habe und ich bin mir sicher, dies wird ganz vielen Menschen so ergehen beim Lesen von “Rattatatam, mein Herz”.

Meine Wertung: 8/10

Franziska Seyboldt / Rattatatam, mein Herz. Vom Leben mit der Angst.
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, Seiten: 256

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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