Fred Vargas / Der Zorn der Einsiedlerin

by Manuela Hofstätter on 10. Dezember 2018

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Adamsberg, Kommissar der Brigade Criminelle des 13. Arrondissements in Paris, ist von seinem Urlaub aus Island zurückgekehrt, ein dringlicher Fall liegt vor. Den Fall löst Adamsberg in Windeseile, auch wenn er auf sein Team noch benebelter wirkt, als dieses es ohnehin von ihm gewohnt ist. Doch dann entdeckt der Kommissar auf dem Bildschirm eines seiner Mitarbeiter das Bild einer Spinne, der Einsiedlerspinne, welche ein starkes Gift besitzt. Offenbar haben sich im Süden Frankreichs einige Todesfälle ereignet, allesamt ältere Männer erlagen einem Biss der genannten Spinnenart und starben in Folge der Nekrose daran. Adamsberg geht diese Spinne nicht mehr aus dem Kopf, er reist heimlich zu einem bekannten Arachnologen, denn er möchte in Erfahrung bringen, ob diese Spinne mutiert sein könnte und es überhaupt möglich ist, an einem Biss zu sterben. Der Fachmann ist ein eingebildeter Schnösel, dies bekommt nicht nur Adamsberg zu spüren, nein, auch eine reizende ältere Dame, die dem Fachmann eines der raren Exemplare einer toten Einsiedlerspinne bringen wollte. Irène Royer-Ramier unterhält sich dann mit Adamsberg und schenkt diesem das Tier. Adamsberg setzt seine verdeckten Ermittlungen zu diesen Fällen fort, er weiht zunächst nur einen Teil seiner Brigade ein und als diese dann alle anderen informieren, muss er merken, dass sein Freund und Stellvertreter Danglard gegen ihn mobil macht und die Brigade spaltet. Adamsberg muss zusehen, wie sich Danglard immer schlimmer verhält, sein einziger Trost ist lediglich die Tatsache, dass er seine Brigade zurückerobert, selbst wenn viele denken, dieser Fall sei doch wortwörtlich eine einzige Spinnerei. Doch bald stösst das Team bei seinen Recherchen auf ein Waisenhaus in Nîmes, einige der Verstorbenen wuchsen dort in den 40er Jahren auf und als sich herausstellt, dass sie zu einer richtig miesen und gemeinen Bande gehörten, die sich die Einsiedlerspinnenbande nannte, beginnt sie der Fall richtig zu faszinieren und es ergeben sich viele Verdachtsmomente. Schlagen die Opfer der damaligen Täter nach so vielen Jahren zurück, die Bande quälte andere Jungs, verging sich aber auch an den Mädchen und diese miesen Typen blieben ihr Leben lang Täter. Doch immer, wenn sich die Ermittlungen dem logischen Höhepunkt nähern, führen sie ins Nichts, Adamsberg scheitert mit seinem Team mehrmals und Danglard triumphiert. Was ist nur los mit Danglard und was ist dies bloss für ein Fall? Adamsberg jedenfalls setzt der Fall zu. Er, der immer im Nebel richtig klar sieht, wird zum Blinden, verzweifelt, bricht gar zusammen, sobald seine Gedanken um diese Spinnen kreisen, packt ihn ein unbeschreibliches Grauen. Ist der Kommissar nicht mehr fähig? Er kümmert sich zwar hingebungsvoll um ein Nest voller junger Amseln im Hof der Brigade, aber der Fall selbst scheint ihm zu entgleiten. Adamsberg reist zu seinem Zwillingsbruder, dieser weiss mit dem Grauen und den wirren Erklärungen Adamsbergs sehr wohl etwas anzufangen, weiss aber auch, dass er seinen Bruder mit einem Kindheitstrauma konfrontieren muss und dass das diesem sehr weh tun wird. Der Besuch beim Bruder aber und auch die vielen Abendessen mit dem Kollegen Louis Vayrenc, der als einziger in der Brigade Adamsbergs Denkweise richtig verstehen kann, da er wie dieser aus den Pyrenäen stammt, gibt dem Kommissar wieder den richtigen Boden unter seine Füsse. Schliesslich hat Adamsberg erneut eine Fährte. Zusammen mit der unbeschreiblichen Retancourt, Vayrenc und einem Freund, der Archäologe ist, unternimmt der Kommissar eine Reise, sitzt am Lagerfeuer und leitet eine Ausgrabung an, auf der Suche nach Zähnen einer Rekluse in ihrem Inklusorium. Wird sich der Fall nun auflösen oder graben sie erneut auf einer falschen Spur?

Fazit: Keine Spinnerei, Vargasmagie!
Fred Vargas hat mit der Brigade in Paris rund um Jean-Baptiste Adamsberg einen Kommissar und ein Team aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Man freut sich riesig, all diesen alten Bekannten wieder zu begegnen, ihre Charaktere sogleich wieder zu kennen und zu lieben. Der grosse Disput zwischen Adamsberg und Danglard ist eine heftige Sache und als Ausgleich sitzt man gerne mit den beiden Pyrenäern bei ihrer Kohlsuppe und ihrem Wein am Tisch und erholt sich mit ihnen von den Strapazen dieses heftigen Falles. Der Fall ist in der Tat heftig, die Polizisten können auch die letzten beiden alten Männer nicht retten, alle zehn Fieslinge von damals wurden umgebracht. In Vargas Krimiwelt geht aber am Ende alles glasklar auf, auch wenn es in diesem Fall sehr verworren war, und gar Adamsberg sich fast verirrt hat und wie damals Magellan die Meerenge schliesslich doch gefunden hat. Für mich ein Krimihochgenuss vom Feinsten, wer Vargas kennt, weiss Bescheid. Wer nicht Bescheid weiss, dem entgeht etwas Einzigartiges, eben die Vargasmagie, aber es ist nie zu spät … Lesen!

Meine Wertung: 8/10

Fred Vargas / Der Zorn der Einsiedlerin
Übersetzt aus den Französischen von Waltraud Schwarze
Verlag: Limes, Seiten: 512

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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