Fuminori Nakamura / Der Dieb

by Manuela Hofstätter on 24. Oktober 2015

Post image for Fuminori Nakamura / Der Dieb

Nishimura ist ein begnadeter Taschendieb, in formvollendeter Eleganz holt er Geldbörsen, Uhren und andere Dinge zu sich, ohne dass die Bestohlenen auch nur eine leise Ahnung von der Kunst seiner edlen langen Finger hätten. Tokio ist sein Tummelplatz, in der U-Bahn hat er ein besonders leichtes Spiel, aber er hat das Stehlen seiner Ethik angepasst, nur wohlhabende Männer werden erleichtert. In einem Lebensmittelladen beobachtet der Meisterdieb einen kleinen Jungen mit seiner Mutter, der Junge lässt allerhand Ware in einer Tüte verschwinden und Nishimura sieht auch, wie der Ladendetektiv gleich einschreiten wird und er rettet den Jungen. Dieser Junge aber hängt sich nun leidenschaftlich an Nishimuras Fersen, bei seiner Mutter, welche sich prostituiert, ist er ohnehin meist nur im Weg, er will von Nishimura lernen, will ein so guter Dieb werden wie dieser. Aber der Meisterdieb hat entgegen aller Erwartung nur eine bescheidene Bleibe und will nicht, das dieser Junge, der ihn irgendwie berührt, in seine Fussstapfen tritt. Nishimura beginnt, sich um diesen Jungen zu kümmern, dafür lässt er sich gar kurzzeitig mit dessen Mutter ein, er möchte seinen kleinen Fan bewahren, möchte nicht, dass dieser auf die schiefe Bahn gerät. Doch da holt Nishimura die Vergangenheit ein, ein alter Bekannter taucht auf, sie beide verbindet ein Fehler aus alten Zeiten, und ehe es sich unser Dieb versieht, gerät er in die Fänge der Yakuza. Gehorchen oder Sterben, das ist somit die Wahl, die Nishimura offenbar noch bleibt, das wäre ja eine Sache, aber da ist eben dieser Junge noch.

Fuminori Nakamura / Der Dieb

Fazit: Ein feiner Langfinger!
Dieser Nishimura geht uns wortwörtlich unter die Haut, er klaut unser Herz und wir sehen mit Schrecken mit an, wie er in eine ganz üble Sache hinein gerät. Es könnte doch so gut ausgehen, wäre da nicht die Mafia, wären wir nicht in Tokio und wäre dieser Nishimura nicht so edelmütig, wie er es eben ist. Eine Neuentdeckung aus Japan, einmal etwas anderes, faszinierend, hart, erschreckend real.

Meine Wertung: 6/10

Fuminori Nakamura / Der Dieb
Verlag: Diogenes, Seiten: 224

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
There are no images.
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment