Gabriel Katz / Der Klavierspieler vom Gare du Nord

by Manuela Hofstätter on 1. Juli 2019

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In einem Pariser Beaulieu lebt der zwanzigjährige Mathieu Malinski mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder David, der noch die Schule besucht. Die Mutter arbeitet Nacht für Nacht hart als Putzfrau im Spital. Daheim putzt die Mutter weiter und kocht vor für ihre beiden Jungs, der Vater hat sich früh davongemacht, er wollte das erste Kind nicht und erst recht kein zweites. Mathieu arbeitet auch schon seit langem und versucht, seine Mutter zu unterstützen, wo er nur kann. David holt er oft vom Sport ab, zwingt ihn, Mathe zu üben, hofft, dass sein kleiner Bruder nicht in falsche Kreise gerät. Doch Mathieu gerät selber wieder mal auf Abwege, ein Einbruch geht schief, er landet vor Gericht und weil es nicht sein erstes Mal ist, droht ihm der Knast. Mathieu zerreisst es das Herz, das wollte er seiner Mutter nicht antun. In seiner Not fischt er die Visitenkarte aus seiner Hosentasche und ruft den komischen, älteren Kauz an, welcher seinem Klavierspiel am Bahnhof gelauscht und ihn danach verfolgt hatte. Sechs Monate Sozialdienst, ein Wunder, Mathieu muss dem Typen vom Konservatorium Paris endlos dankbar sein. Pierre, Direktor des Konservatoriums Paris, hat die Lust an seiner Berufung verloren, man wartet nur auf seinen Untergang, die Presse zieht über ihn her, seine Ehe ist nur noch eine schlechte Erinnerung an die grandiosen Zeiten, welche sie zusammen einst gefeiert haben. Doch als Pierre diesen Jungen am Bahnhofsklavier spielen gehört hat, da glaubte er wieder an alles. Pierre kann sein Glück nicht fassen, als ihn der Anruf des Jungen erreicht, er holt ihn ans Konservatorium, er räumt alle Wege für ihn frei, ist überzeugt, Mathieu, der nicht einmal Noten lesen kann, wird mit seinem absoluten Gehör und Talent viel erreichen. Mathieu staunt nicht schlecht, als er erfährt, dass er nicht für den Putzdienst ausgewählt worden ist, doch er sträubt sich mit seiner Wut und Trauer im Bauch gegen seine Professorin, die beste übrigens am Konservatorium. Madame hingegen ist entsetzt von der ungehobelten Art und Sprache ihres neuen Schülers, doch tut sie nur Pierre einen Gefallen oder glaubt sie selber an das grosse Talent Mathieus? Mathieus Leben verändert sich in rasendem Tempo, schliesslich wohnt er gar in der Stadt, er beginnt tatsächlich an sich zu glauben, verliebt sich in Anna, ein famoses Mädchen aus bestem Elternhaus, in welchem er sogar willkommen ist. Ja, Anna erwidert seine Gefühle und in drei Monaten soll er an einem Wettbewerb vorspielen, wofür andere Studenten alles geben würden. Jetzt gibt Mathieu alles, doch die Vergangenheit holt ihn ein. Wird sein Traum wie auch Pierres Leben nun endgültig scheitern?

Fazit: “Geh zurück nach Paris, zeig ihnen, dass du der Beste bist!”
Ein Junge mit polnischer Herkunft aus der Vorstadt von Paris kämpft ums Überleben, heimlich spielt er Klavier am Gare du Nord, die Musik ist sein einziger Trost, in der Musik geht er auf, ist glücklich. Ein Mann in einer Lebenskrise, ausgelöst von einem Schicksalsschlag, trifft auf einen Jungen, der ihn überrascht, den Glauben an die Musik in ihm wieder zum Leben erweckt. Dieser Roman hat mich bewegt, er zeigt auf, dass wahres Talent nichts mit Gesellschaftsschichten zu tun haben muss und es immer wieder Dinge gibt, die niemand erwartet hat. In Zeiten, in denen soziale Unterschiede immer offensichtlicher zu Problemen führen, ist diese Geschichte einfach ein kostbares Geschenk. Ein Buch, das einfach glücklich macht!

Meine Wertung: 9/10

Gabriel Katz / Der Klavierspieler vom Gare du Nord
Aus dem Französischen übersetzt von Eva Scharenberg und Anne Thomas
Verlag: S. Fischer, Seiten: 352

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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