Geneviève Lüscher / Achmetaga

by Manuela Hofstätter on 23. August 2018

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In Hofwyl, welches einen ausgezeichneten Ruf geniesst, auch wenn sein Herrscher Emanuel von Fellenberg ein aufbrausender und zum Jähzorn neigender Mann ist, lernen sich die Jünglinge Charles Müller, Carlo Leutwein, Fritz von Fellenberg und Edward Noel (Schutzbefohlener von Lady Byron) kennen uns schätzen. Die Fellenbergs haben noch einige Sprösslinge mehr, auch Töchter, darunter Emma, welche schon früh Gefallen an Charles findet und auf diesen aber lange warten muss, bis sie sich mit 32 Jahren als altes Mädchen bezeichnet und endlich zu seiner Frau werden kann. Edward und Fritz, Letzterer sah eine gute Gelegenheit, sich aus den Fängen seines Vaters zu befreien, zogen los nach Griechenland und kauften das Gut Achmetaga dem türkischen Besitzer, der das Land verlassen musste, zu besten Konditionen ab. Aber das Leben und die Bewirtschaftung des Landes auf Euböa stellten sich als harte Arbeit heraus, die griechischen Bauern liessen sich nur schwer anleiten und das Klima zerrte an der Gesundheit, Fritz kostete das Fieber sein Leben. Edward holte seinen Freund Charles nach Achmetaga und dessen Herz entflammte, seine Begeisterung und ständige Arbeit liessen die Geschäfte gedeihen, er steckte seine ganze Kraft ins Gut und beklagte aber das fehlende Interesse für die Sache bei Edward, welcher eher kränklich war und lieber malte als harter Arbeit nachging. Zudem fehlte eine weibliche Kraft auf dem Gut, welche den Haushalt führen und die Griechinnen anleiten konnte. Plötzlich verkündete Edward seine Hochzeit, es war wohl eine Ehe, die auf Druck von Lady Byron entstanden ist, und tatsächlich konnte die zarte Fanny, Edwards junge Ehefrau, auf Achmetaga rein Nichts bewegen und beklagte das Leben dort nur. Das Ehepaar verlies Euböa, Charles war plötzlich alleine, inzwischen florierte auch sein Handel mit dem Stein Magnesit, doch die Arbeit war kaum zu bewältigen und endlich reiste Charles nach Hofwyl und hielt um die Hand von Emma an. Emma reiste voller Elan aufs Gut, doch litt sie anfänglich schlimm, nichts war so, wie sie sich das vorgestellt hatte, doch Emma wurde Mutter, wurde eine starke Gutsherrin und glücklich mit Charles, sie war eine tatkräftige Frau und freute sich bald über das griechische Leben, sogar die Bekanntschaft mit dem Königspaar bereicherte ihr Leben. Doch das Leben in Griechenland war von Freud und Leid geprägt wie auch das Leben in der Heimat in Hofwyl, Veränderungen forderten das Ehepaar immer wieder heraus.

Fazit: Ungewöhnliche Auswanderergeschichte in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Ja, viele wanderten aus in diesem Jahrhundert, Armut gab ihnen die Motivation dazu, doch Geneviève Lüscher hat der wahren Begebenheit eines Berner Patrizierpaares das in Griechenland aus Philhellenismusbegeisterung heraus und mit der Möglichkeit, günstig Grossgrundbesitzer zu werden und ein neues Leben anzufangen durch ihre Fantasie und diesen Roman Farbe und Leben eingehaucht. Die Autorin war bereits mehrfach auf Euböa, welche schliesslich die zweitgrösste griechische Insel ist und verbrachte mit Ihrem Mann auch ein Jahr dort. Die komplizierte Geschichte Griechenlands zu dieser Zeit, von der Befreiung der Osmanenherrscher durch die vereinten Grossmächte bis hin zur kurzen und tragischen Amtszeit des jungen Königs Otto und seiner Frau Amalia werden uns ebenso nähergebracht wie die Zeit des Erziehungsinstitutes Hofwyl und dessen Gründer, dem bekannten Pädagogen Emanuel von Fellenberg (1771-1844). Nicht zuletzt ist dieser Roman auch die Liebesgeschichte eines Paares, das seinen Weg ging und die Geschichte einer Männerfreundschaft, die in Internatszeiten gegründet ein Leben lang anhielt. Achmetaga, ist noch heute in Besitz der Familie Noel-Baker. Die Autorin hat Bildmaterial, Gemälde und Skizzen sowie Briefe, vorwiegend aus der Burgerbibliothek Bern, als Grundlage zu diesem Roman verwendet.

Meine Wertung: 6/10

Geneviève Lüscher / Achmetaga,
Ein Patrizierleben zwischen Griechenland und Bern
Verlag: Stämpfli, Seiten: 243

Gneviève Lüscher mit ihrem Buch Achmetaga in der Bibliothek Spiez am 22.08.2018

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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