Gianna Molinari / Hier ist noch alles möglich

by Manuela Hofstätter on 2. November 2018

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Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2018

Zuvor war sie in einer Bibliothek angestellt, jetzt zog es sie weiter, der Chef der Verpackungsfabrik ist ein rechtschaffener Mensch wie es scheint und so bekommt sie bei ihm einen Job. Es ist ein Job, der sich über eine kurze Zeit erstrecken wird, ihr ist es recht, sie ist dankbar, darf sie gar in der Fabrik wohnen, eine Halle wird ihr zur Wohnung und der Job als Nachtwärterin entspricht ihr. Es sind nicht mehr viele Arbeiter in der Fabrik, es wird einzig noch eine Art Schachtel produziert, eine Faltschachtel. Sie beobachtet und nimmt die wenigen Menschen in ihrer Umgebung genau wahr. Manche gehen schon weg, denn hier werden sie ja nicht mehr lange Geld verdienen können. Der Koch hängt seinen Träumen nach, manchmal gibt er sich beim Kochen Mühe, dann lobt sie ihn, manchmal gibt es nur Suppe und Brot, sie nimmt es ihm nicht übel. Gleich zu Beginn ihrer Arbeit wurde sie darüber aufgeklärt, dass ein Wolf auf dem Fabrikgelände gesichtet worden ist, es ist der Koch, der diesen beim Abfall gesehen hat. Der Chef will den Wolf gerne gefangen sehen, so müssen Fallen aufgestellt werden, sie gräbt mir Clemens eine Grube. Clemens ist der zweite Nachtwächter, sie teilen sich die Schichten, sie mag Clemens. Den Wolf indessen sehen sie nie und fangen ihn folglich auch nicht. Sie fragt sich, ob sie sich fürchten würde vor dem Wolf, sie möchte ihn auf jeden Fall nicht fangen, schon gar nicht verletzt sehen. Falls der Wolf in die Fallgrube stürzen würde, während sie am Graben ist, was würde dann wohl passieren, fragt sie sich? Würde das Tier sie angreifen, könnte sie aus der Grube klettern, kann ein Wolf wohl eine Leiter hochkommen? Sie beobachtet gerne ganz genau, macht sich Skizzen und Gedanken. In der Fabrik war früher viel los, da kursieren auch viele Geschichten, diejenige des Mannes, der tot vom Himmel fiel, die beschäftigt sie sehr. Nun gab es einen Banküberfall, die Täterin wird gesucht, das Fahndungsbild findet Clemens, gleiche ihrem Gesicht verblüffend. Sie vergleicht ihr Gesicht mit dem Bild der gesuchten Person, für den Koch ist der Fall klar, er misstraut ihr fortan, aber Clemens, wie kann Clemens nur diesen Verdacht hegen? Clemens entschuldigt sich später, aber mittlerweile hat sich auf dem Fabrikgelände vieles ereignet, es gab einen Unfall und sie, sie hat eine neue Begegnung erlebt. Gewisse Dinge behält man besser für sich, sagt sie sich, denn so ist hier noch alles möglich …

Fazit: Vom Beobachten der Möglichkeiten.
Gianna Molinaris Buch war für den Deutschen Buchpreis und ist jetzt für den Schweizer Buchpreis nominiert. Ich mag die Idee ihrer Geschichte und die Protagonistin, die Nachtwächterin, viele Denk- und Beobachtungsansätze faszinieren beim Lesen. Molinaris Sprache ist knapp gehalten aber wirkungsvoll, wohl gerade dadurch. Die wahre Begebenheit des Mannes, der vom Himmel fiel, beruht auf Geschehnissen aus dem Jahr 2010, als ein Mann sich im Fahrwerk eines Flugzeugs verstecken wollte und dabei wohl erfroren ist. Diese Thematik ist aktuell, so viele Menschen auf der Flucht, doch auch der Wolf, der sich aus der Natur in die Gebiete der Menschen vorwagt, weil wir seine Reviere zerstören, auch dieser Wolf steht für so vieles, worüber man nachdenken könnte. Ja, hier ist noch alles möglich und für mich ganz persönlich fehlt diesem Roman noch irgendeine Möglichkeit, mit welcher er mich richtig hätte erobern können. Aber ich bin gespannt, was aus Frau Molinari noch werden wird, viele begeistert sie schon enorm, Schreiben kann sie, hier ist noch alles möglich!

Meine Wertung: 6/10

Gianna Molinari / Hier ist noch alles möglich
Verlag: Aufbau, Seiten: 192

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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