Giovanni Orelli / Die Brille des Gionata Lerolieff

by Manuela Hofstätter on 9. März 2014

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Eigentlich beginnt die Zugfahrt unter den Schriftststellerkollegen ganz angeregt, man ist unter sich, auf dem Heimweg, die Solothurner Literaturtage sind für dieses Jahr vorbei. Gionata Lerolieffs Heimfahrt ins Tessin aber, erfährt einen Unterbruch, hektisch steigt er in Olten aus, er hat seine Brille nicht mehr und dies ist alles andere als erfreulich. Hat er seine Brille verloren, wurde sie ihm gar gestohlen? Der Schalterbeamte in Olten bringt den armen Schriftsteller fast in Rage, diese Beamtenart eines Deutschschweizers, schlimmer noch seine fühlbare Verachtung, gegenüber ihm, einem Tessiner. An Wunder glauben, dieses Thema nimmt Gionata mit für die weitere Zugfahrt Richtung Heimat. Müde einerseits, darum einmal wach und oft im Halbschlaf kommt dem Schriftstellerhirn nun ein buntes Potpourri von Begebenheiten aus seiner reichen Lebenszeit in den Sinn, die gross angeschriebenen Haltestellen, selbst für ihn, den Brillenlosen, lesbar, lassen stets neue Gedankenfunken aufsteigen. Kindheit, Lebensphilosophie, Kameradschaft aus Dienstzeiten, Europa, allerlei Gelüste, vor nichts machen die Gedanken halt. Die Fahrt ist lange, die Gedankenreise ungleich endloser noch und dann fast auf dem Heimatboden holen ihn die Tränen eines Fremden zurück auf den Boden der Realität.

Giovanni Orelli / Die Brille des Gionata Lerolieff

Fazit: Gedankenfetzen eines Schriftstellers im Ausnahmezustand.
Giovanni Orelli ist ein Tessiner Schriftsteller, welcher im 2012 mit dem grossen Schillerpreis der Schweiz ausgezeichnet wurde für sein Gesamtwerk. Ins Deutsche übersetzt wurde diese Erzählung von Maja Pflug, welche für Ihre Arbeiten auch bereits ausgezeichnet wurde. Diese Erzählung ist eine riesige Reise, durch die Schweiz, aber vielmehr durch verschiedenste Themen der Literatur, des Lebens, der Politik, der Vergangenheit und Zukunft. Für mich waren manche Gedankengänge wundervoll, andere habe ich schlicht nicht nachvollziehen können. Schön wäre es auch, wenn die Fremdsprachenzeilen in einem Anhang noch übersetzt worden wären und für mich so Unwissende in vielerlei Dingen, wäre ein Anhang mit Erläuterungen sehr wertvoll.

Meine Wertung: 6/10

Giovanni Orelli / Die Brille des Gionata Lerolieff
Verlag: Weidle, Seiten: 120

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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