Graham Norton / Ein irischer Dorfpolizist

by Manuela Hofstätter on 18. Oktober 2017

Post image for Graham Norton / Ein irischer Dorfpolizist

Darf ich vorstellen: Sergeant PJ Collins, Dorfpolizist im kleinen, irischen Ort Duneen, ein guter Platz, wenn man solch eine Leibesfülle sein eigen nennt wie PJ, denn nein, er ist nicht dick, er ist wirklich ein fetter Mann. PJ hat kaum etwas zu tun und wird im Ort auch kaum wahrgenommen, man bringt ihm den Tee und das Sandwich gerne ans Wagenfenster, damit er sich nicht aus ebendiesem mühsam herausquetschen muss. PJ hat sich diesen Speck angefressen wie eine Schutzschicht gegen die Unruhen, welche das Leben so bereithalten kann, wie etwa Frauen oder Freundschaften. Plötzlich aber gibt es einen Fall für den Dorfpolizisten, bei Bauarbeiten auf dem Hügel sind menschliche Knochen gefunden worden und sofort fragt man sich, ob diese wohl die von Tommy Burkes sind, welcher vor über zwanzig Jahren nach einem Skandal um zwei zankende Weiber verschwunden ist. Es waren seine Verlobte und seine Geliebte, welche sich auf dem Dorfplatz eine sehens- wie verachtenswerte Prügelei geliefert haben. PJ staunt über sich selber, das ist ein Fall, zudem noch ein richtig guter und er merkt, dass er seinen Beruf doch mag und die Beachtung, die ihm nun entgegen kommt bei den Ermittlungen, die geniesst er voll und ganz. Die beiden Frauen, die gilt es zu befragen und beide führen ein kurioses Leben, beide sind offenbar unglücklich in ihrem Dasein. Evelyn lebt mit ihren Schwestern Abigail und Florence zusammen, sie führen ein zurückgezogenes Leben, gelten als komische Jungfern, PJ gefällt die kühle, elegante und wie er findet schöne Evelyn sehr. Brid ist unglücklich verheiratet, Alkoholikerin und zweifache Mutter, sie hängt an ihren Kindern, nicht aber an ihrem Leben, aber Brid ist für PJ warmherzig und faszinierend zugleich. PJ gerät bei seinen Ermittlungen erheblich ins Straucheln, das ärgert ihn, denn der wegen dieses Falls extra aus Cork angereiste Kriminalkommissar ist ein Schönling und Schnösel und gibt PJ ohnehin das Gefühl er sei ein Trottel. Aber die beiden Männer irren sich in ihrer jeweiligen Sicht auf den andern und auch sonst gibt es etliche Verwirrungen in diesem Fall, schliesslich werden auf dem Hügel erneut Knochen gefunden. Was hat das zu bedeuten? Ist ein Massenmörder unter ihnen?

Fazit: Ein Dorfpolizist blüht auf …
Dieser Kriminalroman besticht durch einen so schlichten Erzählton und Aufbau und offenbart uns dann so vielerlei herrlichste Überraschungen. Liebe und der Verlust von Liebe, Einsamkeit und Entbehrung, dies die grossen Themen im Roman, werden aber von so einem feinen Humor begleitet, dass man nicht selten lachen kann bei dieser Lektüre. PJ wuchs mir mit jedem seiner vielen Kilos ans Herz und dies tut er eben auch bei andern in seinem Umfeld und dadurch gerät er dann auch in die absurdeste Situation seines bisherigen Lebens. Welch ein Krimi, welche Figuren, ein grosses Lesevergnügen!

Meine Wertung: 8/10

Graham Norton / Ein irischer Dorfpolizist
aus dem Englischen übersetzt von Karolina Fell
Verlag: Kindler, Seiten: 331

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment