Graham Swift / Ein Festtag

by Manuela Hofstätter on 29. August 2017

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Jane Fairchild ist ein 22 Jahre junges Dienstmädchen, als sie im Jahre 1924 von ihrem Hausherren einen freien Tag gewährt bekommt. Es ist der Muttertag, der für sie ein ganz besonders unvergesslicher werden soll. Jane ist ein Waisenkind, doch ihrer Mutter unbekannt zwar doch dankbar, denn Jane war in einem sehr guten Heim, sie ist des Lesens mächtig und hat eine Schulbildung genossen und Jane verfügt über einen Wortschatz, den kein Dienstpersonal gebraucht, einen herrlichen Wortschatz. Nun reisen alle weg, die einen zu ihren armen Müttern, die andern zu einer festlichen Tafelrunde um das für Morgen bevorstehende Hochzeitsfest noch in den letzten Details zu würdigen, das Haus ist leer, wie so viele Herrschaftshäuser an diesem Tage. Jane darf mit dem Fahrrad losfahren, doch keiner weiss, dass sie zu ihrem heimlichen Geliebten radelt, dem angehenden Bräutigam Paul. Es ist ein sonnendurchfluteter Tag, heute sind die Rollen für einmal vertauscht, Jane darf den richtigen Hauseingang nehmen, Paul öffnet ihr die Tür, er ist es, der sie langsam entkleidet und sie ist es, die nach dem süssen Liebesspiel nackt und schamlos liegen bleibt in seinem Bett, während er zum Lunch mit seiner Zukünftigen fahren soll. Nackt wandelt Jane durchs Haus, herrscht über die Dinge, isst und geniesst ihren Festtag. Doch zugleich ist ihr Herz auch schwer, ihr Geliebter wird Morgen heiraten und mit seiner Frau nach London wegziehen. Jane wird wieder das Dienstmädchen sein, aber sie, sie hat diesen Mann besessen, sie alleine, es spendet ihr Trost sich in Erinnerung zu Rufen, dass diese “blumige” Braut einfach eine arrangierte Ehe eingehen wird. Jahrzehnte später, Jane ist eine beachtete Schriftstellerin, blickt auf ein langes, abenteuerliches Leben zurück, auf eine Ehe mit einem Philosophen, auf viele Geschichten. Wann denn sie eigentlich Schriftstellerin geworden sei, sich als solche gefühlt habe, wird sie oft gefragt, ihre Antwort darauf ist, bei ihrer Geburt.

Fazit: “Das war der Sinn des Lebens – sich ihm in die Arme zu werfen!”
Dieser Satz im Roman, von der Schriftstellerin geäussert, ist nur einer unter vielen, welchen man sich anstreicht, ihn immer wieder lesen will und ihn bewahrt. Tatsächlich wirft man sich diesem Roman entgegen und tut gut daran, welch ein Buch uns Graham Swift da geschenkt hat! Meisterhaft in der Sprache, den Szenen, den Gefühlen, alles entspricht der Zeit in welcher der Roman spielt und steht doch zeitlos und glaskar da, auch für uns Menschen heute und für alle Zeit. Ansehen, Geld, Lust, Liebe, Verlust und Krieg sind nur einige der grossen Themen im Roman, da steckt das ganze Leben drin. Swift ehrt auch grosse klassische Autoren. Jane liebte die Abenteuerromane, welche doch eigentlich damals Lektüre für die Jungs waren, dann entdeckte sie Joseph Conrad. Das ist eines dieser Bücher, auf die man in diesem Jahr sehnsüchtig gewartet hat!

Meine Wertung: 9/10

Graham Swift / Ein Festtag
aus dem Englischen übersetzt von Susanne Höbel
Verlag: dtv, Seiten: 142

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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