Hannah Rothschild / Die Launenhaftigkeit der Liebe

by Manuela Hofstätter on 6. Februar 2017

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Ein Bild erzählt uns seine bewegende Geschichte durch die letzten Jahrhunderte bis ins heutige London, wo es ein staubiges, tragisches Dasein in einem Trödelladen fristet. Ausgerechnet in diesen Trödelladen verschlägt es Annie, die an ihrem zerbrochenen Herzen leidet und in London einen Neuanfang machen muss. Annie sucht ein Geschenk, sie will es einem Mann schenken, welchen sie nach allen Regeln der Kunst bekochen wird und wer weiss, vielleicht wird eine neue Liebe sie erwärmen. Das Essen bleibt stehen, das Bild ebenfalls, der Mann ist nicht gekommen, dafür muss Annie einmal mehr ihre Mutter, die Alkoholikerin ist, auf einem Polizeiposten abholen. Annies Mutter wohnt also wieder einmal ein paar Tage bei ihr, im Gedenken an gute Zeiten gehen sie gemeinsam ins Museum, dort sind Mutter und Tochter für eine Weile glücklich. Im Museum gerät Annie an Jess, welcher gerade eine Gruppe durchs Museum führt und über die Geschichte der Gemälde referiert. Jess ist Maler und er verguckt sich auf der Stelle in Annie, gibt ihr seine Telefonnummer und kann sein Glück kaum fassen, als sie ihn tatsächlich kontaktiert. Annie ihrerseits aber hat die Nase voll von der Liebe, sie möchte von Jess eigentlich nur mehr über dieses eigenartige Bild erfahren, welches sie gekauft hat und nicht mehr zurückgeben kann, dieses Bild scheint wirklich alt zu sein und es berührt Annie. Annie und Jess recherchieren auf den Spuren des Bildes und es stellt sich heraus, das es sich tatsächlich um ein Original handeln könnte. Inzwischen wird für Annie ein Traum wahr, ihr Chef beim Filmstudio, in welchem sie arbeitete, verschafft ihr einen Job, der ihrer Leidenschaft gerecht wird. Annie darf kochen, sie inszeniert für eine illustre Gästeschar ein sagenhaftes Mahl. Es ist die angesehene Kunstvermittlerfamilie Winkelmann, für welche Annie kochen durfte und so hat sie Einblick bekommen in die Welt der Reichen und der Selbstdarsteller, der Kunstliebhaber und der Galeristen. Annie hat keine Ahnung, wie drastisch und unberechenbar dieses Bild in ihrem Leben alles umkrempeln wird.

Fazit: Die Auswüchse der Kunst und der Liebe!
Dieser Roman besticht durch die elegante Erzählweise, welche auch einmal vom Bild selber geführt wird und dem Bogen, am Anfang wie am Ende steht die Auktion des legendären (fiktiven) Bildes von Antoine Watteau. Die Welt der Reichen und ihre Leidenschaft für Kunst nehmen zuweilen krasse Auswüchse an. Es buhlen Russen wie Araber, Stars und reiche Mäzeninnen aus unterschiedlichen Gründen um ein Werk. Die Geschichte des grossen Kunstraubes während des Zweiten Weltkrieges arbeitet die Autorin zu einer Familientragödie aus, die erschüttert und glaubhaft nachwirkt. Während die Leidenschaft in der Kunstwelt üble Blüten treibt, wächst die wahre Liebe stetig und kann sich am Ende selbstlos beweisen. Nebst einem breiten Wissen zum Thema Kunstszene von damals bis heute versteht es Hannah Rotschild, eine wundervolle Liebesgeschichte zu schreiben. Ein sinnlicher, ein farbenprächtiger Roman!

Meine Wertung: 8/10

Hannah Rothschild / Die Launenhaftigkeit der Liebe
Verlag: DVA, Seiten: 512

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Gerlinde Michel Februar 7, 2017 um 15:14 Uhr

Tausend Gratulationen zum Jubiläum deiner tausendsten Buchbesprechung – unglaublich!!!

Viel Freude weiterhin, und mach weiter so!

Herzlich, Gerlinde

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