Hansjörg Schneider / Hunkeler und die Augen des Ödipus

by Manuela Hofstätter on 24. August 2010

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Die Kulturstadt Basel ist in Aufruhr, der bekannte und auch umstrittene Theaterdirektor Bernhard Vetter ist verschwunden, sein Boot fand man führerlos beim Stauwehr Märkt. Kommissär Hunkeler steht sechs Wochen vor seiner Pensionierung, der Fall wird einem Anderen zugeteilt, Madörin, in Hunkelers Augen nicht gerade der Hellste. Hunkeler geht ins Theater, schliesslich läuft seit einigen Tagen «König Ödipus», nach einer sehr umstrittenen Inszenierung von Vetter. Sogar eine altehrwürdige Baslerin, Frau Sarasin, brachte diese Aufführung derart in Rage, dass sie gar handgreiflich wurde. Es ist ewig her, das Hunkeler regelmässig ins Theater ging, aber er findet den modernen Ödipus grandios, sieht aber auch, warum sich manche Besucher aufregen. Hunkeler taucht ein ins Theatermilieu, neu und alt prallen aufeinander und bald zeichnet sich ab, dass der grosse Intendant Vetter so manchen Feind sein eigen nennen muss. Besonders im Rheinhafen trifft Hunkeler auf so einige schillernde Persönlichkeiten und stellt fest, das hier zwischen den Landesgrenzen andere Gesetze gelten. Hier erfährt der Kommissär auch, das Vetter seine grosse Liebe fand, aber die schöne Tänzerin gefiel auch anderen und jetzt ist auch sie verschwunden. Hunkeler ist eigentlich krank geschrieben und er freut sich irgendwie sogar aus seine Pensionierung und darauf, viel Zeit mit seiner Hedwig verbringen zu können, eigentlich… Aber zuschauen, wie Madörin in eine völlig falsche Richtung ermittelt, das amüsiert ja einerseits, doch Hunkeler will die Wahrheit; ohne Lösung verlässt der Kommissär die Bühne nicht.

Fazit
Hunkeler und Basel vom Feinsten, Kulturgenuss pur dieses Buch! Die Theaterwelt ist aktuell auf den Punkt gebracht, auch die Problematik, dass immer weniger Zuschauer den Weg ins Theater finden. Die Stimmung rund um den Hafen, manchmal ausgelassen, dann melancholisch, schlicht eindrücklich. Einzig etwas habe ich zu bemängeln, soll das der letzte Auftritt für Hunkeler gewesen sein? Das wäre richtig schade, ich mag gar nicht daran glauben. Viel eher stelle ich mir einen pensionierten Hunkeler vor, der mit Hedwig auf dem Rhein rumschippert und ganz nebenbei in einem Fall von Kollegen aus einem Nachbarland mitmischen muss. Eine tröstliche Vorstellung!

Meine Wertung: 8/10

Hansjörg Schneider / Hunkeler und die Augen des Ödipus
Verlag: Diogenes, Seiten: 232

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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