Helen Macdonald / H wie Habicht

by Manuela Hofstätter on 10. Oktober 2015

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Als Helen ihren Vater verliert, bricht etwas in ihr auseinander, die Trauer überwältigt sie und es gibt nur etwas, das sie zurück ins Leben holen kann. Sie verwirklicht sich einen lang gehegten Traum und kauft eine Habichtdame. Mabel ist wild, gefährlich, wunderschön und eine Herausforderung für Ihre neue Besitzerin. Einen Habicht zu zähmen, im Fachjargon abzutragen, das ist eine Sache, die schon manchen routinierten Falkner fast in den Wahnsinn getrieben hat. Mabel ist wunderbar, offenbar entspricht sie nicht in allen Dingen der Fachlektüre, die Helen vorher über Habichte gelesen hat. Gewiss, es gibt Momente, da sind Vogel und Frau nahe dem Abgrund, doch das intensive Jahr mit Mabel ist ein Jahr, in welchem Helen trauert, dabei wird sie auch fast eine Wilde, immer in der Natur, oft auf der Jagd mit Mabel, immer weniger bei den Mitmenschen. Helen hat mit ihrem Vater bereits die Natur geliebt, er war auch auf der Jagd, nach dem perfekten Bild, ihre Mutter war Journalistin und Helen hat Literatur studiert. So verehrt sie denn auch einen Schriftsteller T.H. White (1906-1964), der die Jagd und Natur auch liebte und ein sehr komplexer Mensch war. Er schrieb ebenfalls ein Buch über den Versuch, seinen Habicht in den Griff zu bekommen. Helen hat sich als eine der wenigen Frauen unter den Falknern ihren Platz erobert, einzig ein Mal muss sie sich einen dummen Spruch anhören und über diesen nachdenken, weil ihr jemand sagt, Mabel sei ja auch eine Frau und somit das zwischen ihnen wohl so ein Frauending. Die Trauer um den Vater, die ist sehr intensiv, aber Helen findet auch wieder zurück zu den Menschen, es ist schön, wenn man gegrüsst wird im Park, wenn Leute Mabel kennen und schliesslich kann Helen nach einem Jahr Mabel auch in die Voliere eines Bekannten bringen und sich dort für lange Zeit von ihrem Vogel verabschieden, denn Mabel geht dort in die Mauser. Helen weiss, falls sie Mabel wieder holt, wird diese sie nicht mehr kennen.

Helen Macdonald / H wie Habicht

Fazit: Faszination Wildnis! Die Frau und das Habichtweib!
Die englische Autorin erzählt hier einen autobiografischen Roman, von Kindesbeinen an war sie in Greifvögel vernarrt, die Eltern liessen sie gewähren, den Habicht, den mochte sie damals noch nicht so, aber er verfolgte sie bis in ihre Träume, und als sie vor Trauer um ihren Vater fast zerbrach, war es das Habichtweibchen Mabel, welches sie rettete. Eine schwierige Aufgabe zu meistern, die zeitweise Tag und Nacht all ihre Kraft erforderte, das war heilsam und in der Natur dem Vater nahe sein zu können genau so. Ein besonderes Leseerlebnis; Wildnis, Mut und Trauerarbeit so wie literarische Exkursionen, das ist wirklich ein herausragendes Buch!

Meine Wertung: 8/10

Helen Macdonald / H wie Habicht
Verlag: Allegria, Seiten: 416

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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