Ingrid Noll / Hab und Gier

by Manuela Hofstätter on 5. Februar 2014

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Die Bibliothekarin Karla staunt nicht schlecht, als ein alter Berufskollege sie zum Gabelfrühstück einladen will. Wolfgang war schon immer ein wenig ein altbackener, trockener Typ, eine klassische Randfigur, allein schon diese Wortwahl “Gabelfrühstück” sagt so einiges über ihn aus. Karla hatte nie engeren Kontakt zu Wolfgang, die Einladung erscheint ihr suspekt. Bei einem Telefongespräch mit ihrer jungen Freundin Judith, kann Karla lachen wie immer, die Vorstellung, dass Wolfgang nur eine neue Frau suchen könnte, nachdem er erst kürzlich Witwer wurde, ist einfach erheiternd. Karla nimmt die Einladung an und was ihr Wolfgang dann eröffnet, das verschlägt Karla fast die Sprache. Wolfgang hatte offenbar eine wohlhabende Frau, jetzt ist er todkrank, offenbar war seine Ehe alles andere als einfach und nun will Wolfgang seinen Abgang planen. Wolfgang möchte wählen können, wann und wie er stirbt und Karla traut er zu, diesem Wunsch entsprechen zu können. Die Sache soll für Karla durchaus eine lukrative Seite haben, Wolfgang will Karla die Hälfte, wenn nicht sogar sein ganzes Vermögen vererben, sollten sie sich einig werden. Karla hätte gerne einen sorgloseren Lebensabend mit ein bisschen Luxus, sie kann sich seit der Pensionierung nicht mal mehr ein Auto leisten und so lässt sich Karla auf eine Variante von Wolfgangs Plänen ein. Da sie nicht kaltherzig oder gar berechnend wirken will, beginnt sie, sich um Wolfgang zu kümmern, zieht gar bei ihm ein und stellt alsdann fest, dass sie den alten Kauz ganz gerne mag. Aber Karla bleibt nicht lange mit Wolfgang alleine unter dem Dach seiner Villa, bald ist auch Judith einquartiert und es folgen noch weitere Personen. Wolfgang tüftelt an seinem Testament herum und Karla verspürt ein Unbehagen in sich. Irgendwie läuft die ganze Sache so ziemlich aus dem Ruder.

Ingrid Noll / Hab und Gier

Fazit: Lesen sie “Hab und Gier” bevor Sie Ihr Testament schreiben!
Wie öde, wie brav wäre das Leben, wenn nicht die Frau Noll im Klartext zeigen würde, dass es auch ganz anders geht! “Hab und Gier” ist erneut eine ganz und gar bitterböse, betörende Geschichte. Herrlich zu lesen ist es, wenn Nolls Protagonisten so handeln, wie man es sich selbst kaum zu denken erlaubt.

Meine Wertung: 8/10

Ingrid Noll / Hab und Gier
Verlag: Diogenes, Seiten: 256

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Beatrice Februar 26, 2014 um 21:51

Nun ja, Ingrid Noll… Auch wenn sie mit ihren ersten Büchern beim renommierten Diogenes Furore gemacht hat, gibt es durchaus inzwischen gespaltene Lager zu ihren Werken.
Die einen sind müde dessen, dass sie sich sozusagen, auch im Strickmuster ihrer Bücher, wiederholt, und vielleicht etwas angefressen davon, auch von z.T. allzu makabren Mustern, und die anderen “fressen” sie…
Ich selbst steh’ dazwischen – und habe einen ihrer bösen kleinen Texte
(Diogenes Mini-Buch, “Stich für Stich”), die ich selbst hervorragend finde, denn doch für eine thematische (Vor-)Lesereihe rausgelassen – nicht jeder versteht diesen Zynismus…

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